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Interview
So versucht ABB seine jungen Mitarbeiter zu halten

 Jean-Christophe Deslarzes
ABB HR-Chef Jean-Christophe Deslarzes Quelle: ABB

ABB gehört nach einer Umfrage der Beratungsfirma Universum zu den begehrtesten Arbeit­gebern der Schweiz. Der globale Personalchef Jean-Christophe Deslarzes über seine Strategie.

Von Ana Maria Montero
am 11.10.2018

Wie haben Sie auf das Ergebnis des Universum-Rankings der begehrtesten Arbeitgeber reagiert?
Jean-Christophe Deslarzes: Die Resultate sind ganz klar erfreulich, aber gleichzeitig ist es eine Herausforderung, denn wenn man in der Schweiz die Nummer eins ist, dann erfordert das stetige Anstrengung in diesem Wettlauf. Studentinnen und Studenten sagen, dass bei uns eine kreative, innovative und gleichzeitig internationale Umgebung gegeben ist. Wir arbeiten in hundert Ländern, wir haben 147 000 Mitarbeitende und wenn ich die 200 Top-Führungskräfte betrachte, dann haben wir darunter rund 45 ­Nationalitäten. Und ich glaube, diese Art von globaler Kultur ist der Kreativität sehr dienlich. Warum ist dem so? Nun denn, in einem Team
ist die Innovation umso grösser, je stärker die ­Diversität ist. Das hat die Erfahrung gezeigt.

Hilft es, dass Sie Ihren Hauptsitz in der Schweiz haben? Hilft dies, die Mitarbeitenden zu halten?
Ich denke schon, irgendwie, dass es dem globalen Charakter des Unternehmens zu verdanken ist. Die Schweiz ist nicht nur Gründungsort von ABB in ihrer ursprünglichen Form, sondern sie ist ganz klar auch ein sehr globales Umfeld, wo Menschen beruflich aufblühen können und sich wohlfühlen können. Wenn Expats in die Schweiz kommen, möchten sie oft hier bleiben.

Aber Beschäftigte in der Schweiz zu haben, kostet mehr als in anderen Ländern.
Wir haben mehr als 6000 Mitarbeitende in der Schweiz, wir haben ein hochentwickeltes Forschungs- und Entwicklungszentrum hier. Wir schaffen also Mehrwert, indem wir grosse Talente haben, die nicht nur aus hiesigen Universi­täten kommen, sondern auch von ausländischen, weil wir, wie gesagt, ein attraktives Land sind und einen attraktiven Standort haben. Der Standort ist mitnichten ganz günstig, aber wir haben die erforderliche Expertise und die Talente im Land zur Verfügung.

Was ich auch interessant fand, ist einer der ­Jobtrends, wonach 41 Prozent der Schweizer ­Mitarbeitenden ihren Arbeitgeber innerhalb eines Jahres wechseln möchten. Was denken Sie, wenn Sie das hören?
Ich war auch etwas erstaunt über diese Antwort. Es handelt sich um einen Trend, der auch Bestandteil der digitalen Revolution ist. Menschen neigen öfter dazu, die Stelle zu wechseln, als in der Vergangenheit. Sie wollen verschiedene Erfahrungen machen. Es erstaunt mich nicht, dass insbesondere die Millennials verschiedene Erfahrungen machen möchten, auch ausserhalb des Unternehmens. Der Vorteil von einem Grossunternehmen wie ABB ist, dass wir diverse Möglichkeiten haben, diesem Wunsch nachzukommen. Innerhalb der Firma kann jemand verschiedene berufliche Wege einschlagen. Ich sage jeweils zu unseren Talenten, sie sollen die Hand heben, wenn sie sich einen Wechsel wünschen. Sie sollen, wenn sie Ambi­tionen haben, sich erst einmal innerhalb des Unternehmens umschauen, weil wir im Hause selbst verschiedene berufliche Laufbahnen und Karrierewege anbieten.

Was ist momentan das grosse Thema in der ­Personalarbeit?
Nun, es stehen diverse Herausforderungen an, wir stellen uns Fragen über die vierte industrielle Revolution und darüber, was sie mit sich bringt. Und über die damit verbundene Geschwindigkeit, die Herausforderungen, welche Veränderungen damit einhergehen, was die Auswirkungen an personeller Front sind. Wir analysierten das vor ein paar Jahren und wir ­arbeiten sehr rasch an diversen Punkten. Der erste Punkt: Was sind die nötigen Kompetenzen in der Firma? Technisch, aber auch aus dem Blickwinkel des Verhaltens. Der zweite ist der Arbeitsplatz. Wie soll der Arbeitsplatz sich ­verändern?

Muss alles so aussehen wie bei Google?
Nun, wir sind besser als viele andere Unternehmen. Wir haben Arbeitsräume verändert, wir nennen das Workspace 2020, und zwar überall von São Paolo bis in die Schweiz. Und der dritte Punkt ist die Kultur. Welches sind die kulturellen Merkmale, die es braucht, um die Evolution, in der wir uns befinden, zu beschleunigen?

Zum Beispiel Flexibilität?
Ja. Einmal etwas lernen und sich dann das ganze Leben darauf ausruhen, das gibt es nicht mehr.

Dieses Gespräch entstand in Kooperation der «Handelszeitung» mit CNN Money Switzerland.

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