Der frühere Industrieminister und langjährige Top-Banker Corrado Passera wird einem Zeitungsbericht zufolge neuer Chef der italienischen HVB-Mutter UniCredit. Der 61-Jährige solle Nachfolger des in die Kritik geratenen Federico Ghizzoni werden, meldete «Il Fatto Quotidiano» am Sonntagabend, ohne Quellen dafür zu nennen. Am Freitag werde die grösste italienische Bank ihn als neuen Chef vorstellen.

Die HypoVereinsbank-Mutter aus Mailand wollte sich dazu nicht äussern. Passera war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Aus dem Umfeld eines der grössten UniCredit-Aktionäre verlautete am Montag, Passera sei einer der Kandidaten, die von den Investoren in Erwägung gezogen werden. Es sei aber noch keine Entscheidung getroffen worden.

Unklare Nachfolge

Ghizzoni hatte Ende Mai seinen Rücktritt angekündigt, ist aber noch übergangsweise im Amt. Wie die Nachfolge aussehen könnte, war bislang unklar. Der UniCredit-Verwaltungsrat wollte zuletzt eigentlich keine Entscheidung vor Ende Juli fällen. Der Politik dauert das aber zu lang. Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan drängt auf eine schnelle Entscheidung, weil die Unsicherheit für ein «Element der Schwäche» sorge.

Im Gespräch um die Ghizzoni-Nachfolge waren auch einige Namen des Schweizer Finanzplatzes. UBS-Top-Banker Andrea Orcel galt als heisser Kandidat. Selbst Sergio Ermotti wurde als italienischer Bankenchef gehandelt, hat die Gerüchte aber stets klar dementiert. An der Börse kamen die Personalspekulationen gut an: UniCredit-Anteilsscheine verteuerten sich um 3,5 Prozent.

Zu wenig Kapital

Aktionäre hatten Ghizzoni wiederholt vorgeworfen, die Bank sei zu wenig rentabel und die Kapitalausstattung zu dünn. Es wird befürchtet, dass das Geldhaus nun eine milliardenschwere Finanzspritze braucht. Das hat den Kurs des Instituts zuletzt immer wieder belastet.

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Passera war früher Chef des grössten heimischen UniCredit-Rivalen Intesa Sanpaolo – einer Bank, die vor allem im Filialgeschäft stark ist. Er gilt zudem als Architekt der Sanierung der italienischen Post rund um die Jahrtausendwende. 2011 verliess er die Bankenbranche und schloss sich der Regierung an.

(reuters/ise/ama)