Nach einem Bericht über eine zweite Quarantäne-Verletzung von António Horta-Osório hat sich ein Grossaktionär hinter den Credit-Suisse-Präsidenten gestellt.

«Wir unterstützen die Bemühungen des Verwaltungsratspräsidenten zu 100 Prozent und sind überzeugt, dass er die CS auf den Weg der Besserung bringt», erklärte Harris-Associates-Anlagechef David Herro gegenüber der Nachrichtenagentur «Reuters»: «Wir betrachten diese kleineren Verstösse als reine Ablenkungen, und der Fokus muss auf dem Hauptproblem liegen, um das es geht: Der Turnaround der CS.»

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Harris ist Angaben von Refinitiv zufolge der drittgrösste Aktionär des Schweizer Instituts. «Reuters» hatte zuvor gemeldet, dass die Credit Suisse einen zweiten Verstoss Horta-Osórios gegen Corona-Quarantäneregeln untersucht. Neben der Missachtung von Quarantänevorschriften in der Schweiz habe der Firmenchef laut vorläufigen Ergebnissen einer internen Prüfung bei einem Besuch des Tennisturniers in Wimbledon auch britische Covid-Schutzregeln verletzt. Dies sagten zwei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur.

Auch Börse bleibt cool

Nun liege das Thema beim Verwaltungsrat. Mit dem weiteren Vorfall dürfte der Druck auf den Portugiesen, der das skandalgeplagte Institut eigentlich in ruhigeres Fahrwasser steuern wollte, zunehmen. Sprecher der Grossbank und des Verwaltungsratschefs lehnten einen Kommentar zu den Aussagen ab. An der Börse veränderte sich der Aktienkurs kaum, bis am Nachmittag gab die CS-Aktie um gut 0,1 Prozent nach – dies bei einem kaum bewegten Gesamtmarkt.

Horta-Osorio hatte sich dafür entschuldigt, am 1. Dezember ohne Absicht gegen Schweizer Quarantänebestimmungen verstossen zu haben. Daraufhin habe die Credit Suisse eine Untersuchung zum Verhalten des Verwaltungsratschefs eingeleitet, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen. Ein Team der Rechtsabteilung sei vom Verwaltungsrat mit der Unterstützung von Horta-Osorio damit beauftragt worden, sagte einer der Insider. Vor Weihnachten sei ein Bericht verfasst und an Verwaltungsrat weitergeleitet worden, ergänzte eine weitere Person. Dieser werde entscheiden, ob weitere Schritte unternommen würden.

Wimbledon-Final statt Quarantäne

Dem Insider zufolge stellte die Rechtsabteilung fest, dass Horta-Osorio im Juli bei einer Reise nach England zum Wimbledon-Endspiel britische Covid-Regeln missachtete. Zu dem Zeitpunkt galt für die meisten Reisenden nach England eine zehntägige Quarantänepflicht. Der Firmenlenker habe zwar einreisen dürfen. Doch er habe keine Freigabe erhalten, sich aus der Quarantäne zu begeben, sagte die Person. Ein Sprecher der britischen Regierung erklärte, sie äußere sich nicht zu Einzelfällen. Grundsätzlich gelte, dass Passagiere dafür verantwortlich seien, alle Reisevorschriften einzuhalten. Andernfalls könne dies zu einer Geld- oder Haftstrafe führen.

Das ist bereits der zweite Fall einer Quarantäne-Verletzung durch den Portugiesen. Anfang Dezember hatte Horta-Osorio nach einer Rückreise aus England, nach der er sich Schweizer Regeln zufolge eigentlich in Quarantäne hätte begeben müssen, das Land bereits nach drei Tagen wieder verlassen. «Ich entschuldige mich und werde dafür sorgen, dass dies nicht wieder vorkommt», hatte er damals erklärt. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen bestätigte später, dass eine entsprechende Selbstanzeige eingegangen sei.

Die Vorfälle dürften dem Ansehen von Horta-Osorio schaden. Der frühere Lloyds-Konzernchef hat sich als Reaktion auf das Doppel-Debakel der Credit Suisse rund um den Hedgefonds Archegos und die Greensill-Fonds auf die Fahne geschrieben, das Risiko-Management und die Kultur der Bank zu reformieren. Anfang Oktober meldete er erste Erfolge: «Wir haben ein stärkeres Bewusstsein dafür geschaffen, dass jede Bankangestellte und jeder Bankangestellter im Herzen ein Risikomanager sein sollte», sagte er in einer Rede. Es gebe aber noch viel zu tun. So solle der Fokus auf Eigenverantwortung und Rechenschaftspflicht gestärkt werden.

Reuters», rap)