Darauf haben Hobby-Spekulanten schon lange gewartet: Am Mittwoch lanciert die Online-Bank Yuh den Handel mit Aktien-Bruchstücken, auch «fractional trading» genannt. Das bestätigt Yuh-Chef Markus Schwab der «Handelszeitung». Fractional Trading solle ohne Aufpreis auf sämtlichen Aktien möglich sein, so Schwab.

Das Joint-Venture von Swissquote und Postfinance erweitert zudem das Anlageuniversum. Statt 80 Aktien wie bisher sollen neu rund 250 Titel aus dem In- und Ausland gehandelt werden können. «Die meisten Aktien sind damit abgedeckt», sagt Schwab, «auch schwere Titel wie Lindt.» Der Schoggi-Titel wird derzeit mit 117'400 Franken bewertet - definitiv unerschwinglich für die meisten Anleger.

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Fractional Trading bedeutet, dass die Bank die Aktien virtuell auf mehrere Anleger aufteilt, die dann beispielsweise 2 Prozent einer Lindt-Aktie kaufen können. Schwab verspricht, dies ohne Aufpreis anzubieten. Wie bisher koste ein Kauf auch bei den Fraktionen 0,5 Prozent. Die Mehrkosten des Fraktionierens gehe zulasten von Yuh.

Die aufs Handy ausgerichtete Bank beseitigt zudem einen offenbar von vielen Kunden monierten Makel. Bisher führte sie Börsenaufträge nicht direkt aus, sondern bündelte diese einmal pro Tag, um Kosten zu sparen. Neu sollen alle Trades live ausgeführt werden, sagt Schwab.

Seit Mai 33'000 Kunden gewonnen

Yuh hat seit dem Start im Mai 2021 bisher 33'000 Kunden gewonnen. Davon handle rund die Hälfte an der Börse, sagt CEO Schwab. Man wachse derzeit relativ schnell. Nach wie vor stamme dabei etwa die Hälfte der Neukunden aus dem Kundenstamm der beiden Mutterhäuser. «Allerdings sehen wir, dass jene Kunden, die wir von ausserhalb akquirieren, die aktiveren Kunden sind», so Schwab.

Mit dem Handel grenzt sich Yuh deutlich von anderen Neobanken wie Neon oder Yapeal ab, die bisher keine Börsengeschäfte anbieten. «Wir wollen Anlegen allen Kunden zugänglich machen», sagt Schwab. «Sparen lohnt sich nicht, da vernichtet man derzeit nur Geld.»

Apple Pay erst ab 2022

Hinterher hinkt Yuh hingegen weiterhin im Kartengeschäft. Zwar gibt die Bank ihren Kunden eine Mastercard aus. Anders als bei anderen Banken lässt sich diese jedoch noch nicht in die gängigen Handy-Wallets von Apple und Google einbinden. Man sei dran, verspricht Schwab, und stellt eine Einführung im ersten Quartal 2022 in Aussicht.

 

Nachtrag: Aufgrund eines Missverständnisses war in einer ersten Version dieses Artikels auch von der Aktie von Berkshire Hathaway die Rede. Nach Erscheinen des Textes präzisierte Markus Schwab, dass zunächst nur die günstigere B-Aktie und nicht die teure A-Aktie gehandelt werden könne. Der Text wurde entsprechend angepasst.