Der reichste Mann der Welt und Chef des Elektroautobauers Tesla, Elon Musk, schnappt sich den US-Kurznachrichtendienst Twitter und nimmt ihn von der Börse. Am Montag stimmte das weltweit bekannte Unternehmen mit mehr als 217 Millionen Nutzern der Kaufofferte in Höhe von 44 Milliarden Dollar zu.

Erst Anfang April hatte Musk bekanntgegeben, rund neun Prozent an Twitter zu besitzen. Es sei der «beste Weg vorwärts» für die Twitter-Aktionäre, sagte Verwaltungsratsmitglied Bret Taylor über das Barangebot von 54,20 Dollar je Aktie.

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Elon Musk kündigt neue Features für Twitter an

Der 50-jährige Musk erklärte: «Twitter hat ausserordentliches Potenzial. Ich freue mich darauf, mit dem Unternehmen und Nutzern daran zu arbeiten, es auszuschöpfen.»

Trotz stetig wachsender Nutzerzahlen und regelmässiger Schlagzeilen sprudeln bei Twitter im Gegensatz zu Konkurrenten wie Facebook oder Google die Gewinne nicht. Musk kündigte nun neue Features an, eine Offenlegung der Algorithmen sowie die «Authentifizierung aller Menschen», um daran etwas zu ändern.

Ungewisse Zeiten für die Twitter-Mitarbeiter

Die Ausrichtung des Kurznachrichtendienstes sei nach der Übernahme durch Musk ungewiss, so der bisherige Twitter-CEO «Sobald der Deal abgeschlossen ist, wissen wir nicht, in welche Richtung die Plattform sich entwickeln wird», sagte Parag Agrawal bei einer Mitarbeiterversammlung am Montag auf die Frage, ob der ehemalige US-Präsident Donald Trump nach seinem Ausschluss von Twitter unter Musk zurückkehren dürfe.

Der CEO verwies den Punkt auf eine Frage- und Antwortrunde von Beschäftigten mit Musk, die für einen späteren Zeitpunkt angesetzt sei. Musk hatte die Sperrung von Trumps Konto damals scharf kritisiert und Twitter vorgeworfen, als «Richter» über die Meinungsfreiheit zu agieren.

Die «betriebliche Kontinuität» stehe bis zum Abschluss des Deals im Vordergrund, erklärte Verwaltungsratsmitglied Bret Taylor. Es gebe keine Pläne für Entlassungen, versicherte Agrawal den Mitarbeitern.

Donald Trump will nicht zurück zu Twitter

Der frühere US-Präsident gab derweil bekannt, nicht auf Twitter zurückzukehren. Er bleibe bei seinem eigenen Twitter-Klon Truth Social, sagte der Republikaner «Fox News». Trump hatte vor seinem Ausschluss in Folge des Sturms auf das Kapitol Anfang 2021 fast 90 Millionen Menschen mit seinem Twitter-Konto erreicht und damit sogar mehr als Musk, der aktuell auf mehr als 83 Millionen kommt.

Dieser hatte die Sperrung von Trumps Konto damals scharf kritisiert und Twitter vorgeworfen, als «Richter» über die Meinungsfreiheit zu agieren. Viele Politiker, Künstler und Prominente nutzen Twitter als Sprachrohr, um Neuigkeiten oder ihre Ansicht zu verbreiten. Musk bekam deshalb selbst schon mit der US-Börsenaufsicht SEC Ärger.

Aktie legt zu, bleibt aber unter dem Kaufpreis

Die Twitter-Aktie legte mehr als sechs Prozent auf knapp 52 Dollar zu, lag damit aber immer noch leicht unter dem Kaufpreis. Zum Schlusskurs an dem Tag, bevor Musk seine Twitter-Beteiligung öffentlich machte, bietet der Deal einen Aufschlag von fast 40 Prozent.

Allerdings liegt die Offerte deutlich unter den 70 Dollar, zu denen der Anteilsschein im vergangenen Jahr zwischenzeitlich gehandelt wurde. Einige Aktionäre hatten Insidern zufolge denn auch versucht, einen höheren Kaufpreis auszuhandeln.

Der Vorstand hat dem Deal bereits zugestimmt, nun müssen noch die Aktionäre grünes Licht geben. Noch vor den ersten Verhandlungen hatte Musk erklärt, die 54,20 Dollar je Aktie seien sein «bestes und letztes» Angebot. Twitter zufolge steuert Musk, der laut Forbes mit 265 Milliarden Dollar Vermögen reichste Mann der Welt, 21 Milliarden Dollar bei und hat den Rest sichergestellt.

(Reuterst/tim/me/gku)