Sozial verantwortliches Investieren (Socially Responsible Investing, SRI) ist ein boomendes Feld. Und es ist sogar noch populärer geworden, seit die Themen Klimawandel, soziale Gerechtigkeit und ethische Geschäftspraktiken ganz oben auf der Agenda stehen. Dennoch bleibt viel zu tun. Aktiv verwaltete Fonds im Bereich des sozial verantwortlichen Investierens können einen echten Wandel herbeiführen, und das in einer Zeit, in der Berichte über Greenwashing und «schmutzige Anlagen» das Vertrauen in die Finanzwelt untergraben.  

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Immer mehr Fonds führen robuste SRI-Strategien ein, unterstützt durch neue Vorschriften – wie der EU-Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzen und ihre Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten – und durch das zunehmende Bewusstsein und die Transparenz im Bereich der sozialen Verantwortung von Unternehmen.

Nach Angaben von Morningstar ist das weltweit in ESG-Fonds investierte Gesamtvermögen im vergangenen Jahr um 53 Prozent auf 2,74 Billionen Dollar gestiegen, fast dreimal so viel wie Anfang 2019.

Über die Autorin

Maxime Carmignac ist seit 2013 Managing Director der britischen Niederlassung von Carmignac und für die langfristige Strategie des Unternehmens im Vereinigten Königreich verantwortlich. Sie ist Mitglied des Strategic Development Committee von Carmignac, in dem sie massgeblich an der Entwicklung der Strategie des Unternehmens mit besonderem Schwerpunkt auf verantwortlichem Investieren und Anlagelösungen beteiligt ist. Sie ist zudem Vorsitzende des Strategic Product Committee. Sie begann ihre berufliche Laufbahn im Investmentbanking in London und Paris und ging dann für zwei Jahre zu McKinsey, bevor sie 2006 als Analystin für die Sektoren Energie und Konsumgüter zu Carmignac kam. 2008 setzte Carmignac ihre internationale Laufbahn fort, indem sie zu Visium Asset Management, einer Verwaltungsgesellschaft für alternative Anlagen in New York, ging. 2010 kehrte sie als Portfoliomanagerin zu Carmignac in Paris zurück. Maxime Carmignac hat einen Abschluss der ESSEC Business School.

Auch wenn es noch einige Probleme zu lösen gilt – etwa die Vorliebe der Fondsmanager für umweltorientierte Investitionen, während den sozialen und den Governance-Aspekten von ESG weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird –, sollte das wachsende Bewusstsein für ESG-Themen die Anlegerinnen und Anleger zu mehr Engagement ermutigen.  

Aktives Management kann ESG-Verhalten von Firmen beeinflussen  

Bemühungen der Fondsmanager, sich mit den Unternehmen, in die sie investieren, auseinanderzusetzen, können entscheidend dazu beitragen, dass diese Firmen ihre ESG-Politik verbessern. Aktiv verwaltete Fonds können langfristig wirksame ökologische und gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben und gleichzeitig Werte für alle Beteiligten schaffen.  

Warum lässt sich ein solches Potenzial in einem aktiven Ansatz sehen? Weil jedes Unternehmen anders ist, mit seinen eigenen Nuancen und komplizierten Datensätzen. Nur aktive Fondsmanager können einen massgeschneiderten Ansatz verfolgen und sich mit dem Management, den Kunden und den Zulieferern eines Unternehmens treffen, um dessen Geschäftsumfeld und Wertschöpfungskette besser zu verstehen. Auf diese Weise erhalten aktive Fondsmanager einen Überblick über die Unternehmensführung und die externen Faktoren, die sich auf die Geschäftsmodelle und die finanzielle Performance auswirken könnten.  

Die Macht der Aktionärsinteressenvertretung  

Aktive Anleger können als engagierte Aktionäre die Entscheidungen von Unternehmen beeinflussen, indem sie ihr Stimmrecht auf Hauptversammlungen ausüben. Viele aktive Fondsmanager verwenden heute einen ausschlussbasierten Ansatz für das ESG-Screening. Das ist zwar ein wichtiger Schritt, kann aber nicht der einzige sein. So wird es beispielsweise nicht ausreichen, einfach nicht in Unternehmen mit hohen CO2-Emissionen zu investieren, um das Ziel von netto null bis 2050 zu erreichen.

Es ist wichtig, Unternehmen mit schlechter Performance und Zahlen zu helfen, ihre ESG-Herausforderungen zu bewältigen und ihre Nachhaltigkeitspraktiken zu verbessern. Aktive Manager können mehr bewirken, wenn sie sich in Unternehmen mit Veränderungsbedarf engagieren.  

Aktiver Investor – das bedeutet auch, in der Lage zu sein, Fortschritte zu kontrollieren, Verpflichtungen einzuhalten und Probleme anzugehen. Denn Engagement und Vertrauen sind der Schlüssel, wenn es um die Investition der Ersparnisse der Menschen geht. In der Praxis bedeutet dies, dass die aktive Ausübung der Aktionärsrechte dazu beiträgt, bewährte Praktiken einzuführen und die Ansichten zu klären oder die Unternehmensleitung zur Verantwortung zu ziehen, wenn Probleme auftreten.  

Die gesamte Branche – Anleger, Regulierungsbehörden und Unternehmen – bewegt sich in Bezug auf ESG in die richtige Richtung. Allerdings sollte sie sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Bei ESG geht es nicht nur um das Ankreuzen von Kästchen, obwohl man sich angesichts der Vielzahl von Regeln und Vorschriften leicht in einem solchen Ansatz verlieren kann. Wir alle müssen weitergehen und dabei bescheiden bleiben, was bedeutet, dass wir engagiert den Wandel vorantreiben müssen. So können wir verantwortungsvolles Investieren nachhaltiger machen.  

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