Ein positives Ergebnis der Pandemie ist die Geschwindigkeit, mit der die Diagnostikhersteller, allen voran Roche, Virustests entwickeln. Anfang 2020 waren die Basler die ersten, die einen PCR-Test für Corona auf den Markt brachten. PCR steht für Polymerase Chain Reaction, den Goldstandard im Virus-Testing. Inzwischen hat das Unternehmen zwanzig Testlösungen für Corona auf dem Markt, darunter Tests, die auf Hochleistungsmaschinen mit mehreren tausend Durchschlägen pro Stunde laufen.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Nun legt Roche erneut vor. Das Unternehmen hat in nicht einmal drei Wochen gleich drei Affenpockenvirus-Tests entwickelt. Mit dem ersten Test-Kit können Orthopoxviren nachgewiesen werden, einschliesslich aller Affenpockenviren west- und zentralafrikanischen Ursprungs. Zu den Orthopoxviren gehören Pocken, Kuhpocken, Pferdepocken sowie Affenpocken.

Der zweite Test sucht spezifisch nach Affenpockenviren und ist in der Lage, den westafrikanischen und den zentralafrikanischen Strang zu erkennen. Der dritte Test kombiniert beides. Er erbringt den Nachweis von Orthopoxviren und gibt gleichzeitig Aufschluss über die Präsenz von Affenpockenviren. 

Tests stehen weltweit zur Verfügung

Die Testreihe könne helfen, die epidemiologische Ausbreitung des Affenpockenvirus zu verfolgen, sagt Diagnostik-Chef Thomas Schinecker. Diagnostische Instrumente seien von entscheidender Bedeutung, wenn es darum gehe, «auf neue Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu reagieren und sie letztlich unter Kontrolle zu bringen». 

Die Tests stehen den meisten Ländern weltweit zur Verfügung.

Der erste Fall des Affenpockenvirus trat Anfang Mai in Grossbritannien auf. Seither wurden in mehreren europäischen Ländern, darunter auch in der Schweiz, aber auch in Australien und Nordamerika Infektionen registriert. Affenpocken traten bis jetzt vor allem in afrikanischen Ländern auf.

Das Virus zählt zu den Zoonosen. Es überträgt sich vor allem vom Tier zum Menschen, etwa durch Bisse infizierter Tiere, aber auch durch den Verzehr von infiziertem Fleisch, das zuvor nicht ausreichend erhitzt wurde. Die Tatsache, dass in der aktuellen Infektionswelle überdurchschnittlich viele der Infizierten homosexuelle Männer waren, lässt befürchten, dass das Virus auch durch Körperflüssigkeiten wie Sperma oder Vaginalsekret übertragen wird. Einen aktuellen Überblick über die Ausbreitung liefert eine interaktive Karte der deutschen Zeitung «Berliner Morgenpost».

Kein zweiter Fall Corona

Klar ist, dass sich das Virus nicht so leicht verbreitet wie Corona. Zudem mutiert das Affenpockenvirus weniger. Zu einer erneuten Pandemie werde es deshalb nicht kommen, sagen die Experten. 

Zum grossen Geschäft wird das Affenpocken-Testing deshalb nicht werden für Roche. Aber es ist eine Möglichkeit, die Kompetenz bei der Bewältigung von Gesundheitskrisen unter Beweis zu stellen und die Aufmerksamkeit auf die Diagnostik zu leiten.

Die Bedeutung der Diagnostik wird unterschätzt

Die Diagnostik werde bei der Behandlung von Krankheiten unterschätzt, sagte Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz kürzlich im Gespräch mit Journalisten. 70 Prozent aller therapeutischen Behandlungen gehe ein diagnostisches Verfahren voraus. 

Diagnostische Leistungen werden schlechter vergütet als Medikamente, die Margen sind tiefer. In der Diagnostik wird deshalb weniger geforscht als bei Pharma. «Wenn die Diagnostik besser vergütet würde, dann würde auf dem Gebiet auch mehr geforscht», so Franz.

Drei Roche-Tests pro Erdenbürger und Jahr

Roche gehört zu den wichtigsten Playern bei der Diagnostik. Das Unternehmen investiert so viel in Forschung und Entwicklung in der Sparte wie die drei nächstgrössten Konkurrenten zusammen. Die Sparte machte im vergangenen Jahr 17,8 Milliarden Franken Umsatz, 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Grund für den Umsatzsprung war das Covid-19-Testing, doch auch das Basisgeschäft entwickelte sich positiv.

Insgesamt lieferte das Unternehmen im vergangenen Jahr 27 Milliarden diagnostische Tests aus. Das heisst, im Schnitt wurde jeder Erdenbürger, jede Erdenbürgerin dreimal pro Jahr mit einem Roche-Test getestet.