Im Tessin ist ein 47-jährigen Mann festgenommen worden: Die Staatsanwaltschaft wirft dem in der Region Lugano wohnhaften Italiener vor, durch Falschinformationen zwei Covid-19-Kredite über gut 600'000 Franken bezogen zu haben.

Der Mann habe die Gelder für «fremde Zwecke» verwendet, halten die Tessiner Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei in einem Communiqué fest. Er habe die Kredite hauptsächlich für persönliche Ausgaben eingesetzt. Neben Betrug und Falschangaben werden dem Verhafteten auch Geldwäsche und ungetreue Geschäftsbesorgung vorgeworfen. 

Weniger als 1 Prozent heikle Fälle

Insgesamt scheint der Missbrauch von Corona-Hilfsgeldern und Solidarbürgschaften «kein Massenphänomen» zu sein: Das meldete die Eidgenössische Finanzkontrolle am Mittwoch nach einer repräsentativen Analyse. Das Gremium testete insgesamt 94'000 der Solidarbürgschaften mit einem Umfang von 11,4 Milliarden Franken. Hinweise auf möglichen Missbrauch sieht sie in gut 400 Fällen. Das ist weniger als ein Prozent.

Laut der EFK gab es dabei Indizien für verbotene Dividendenzahlungen, Doppelauszahlungen, überhöhte Kredite an erst in diesem Jahr gegründete Firmen sowie Kredite an Schweizer Zweigniederlassungen ohne eigene Rechtspersönlichkeit.

Bei einem von zehn Anträgen weiche der deklarierte Umsatz um mehr als 25 Prozent vom Betrag ab, der für die Berechnung der Mehrwertsteuer angegeben worden sei, schreibt die EFK. 

1 Fall, 132 Fälle

In der letzten Woche wurde ein Fall bekannt, bei dem vier Männer und eine Frau im Alter von 21 bis 52 Jahren aus der Schweiz und aus dem Kosovo verhaftet wurden. Sie sollen bei verschiedenen Banken mit unwahren Angaben Coronavirus-Kredite in der Höhe von mehreren hunderttausend Franken erwirkt haben, so die Mitteilung der Kantonspolizei Zürich und der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis.

Eine Umfrage des «Blick» in den Kantonen ergab Mitte Juni, dass die Strafverfolgungsbehörden in 132 Fällen wegen des Verdachts auf Covid-19-Kredit-Betrug ermittelten. Die Gesamtsumme der verdächtigen Kredite belief sich da auf knapp 13 Millionen Franken. 

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(sda – rap)

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