Der Durchlauf in der Credit-Suisse-Chefetage ist gewaltig und ähnelt einem Startup. Allein in den vergangenen zwei Jahren haben 80 Prozent der Topleute gewechselt, allen voran der CEO und der Finanzchef – die beiden wichtigsten Leute in der Bank. Nach CEO Tidjane Thiam folgte Thomas Gottstein, nun ist mit Ulrich Körner der Dritte innert drei Jahren am Werk.

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Das Kommen und Gehen begann schon unter Brady Dougan und betraf zuerst das Asset Management, die CS Schweiz und das Investment Banking. Unter Tidjane Thiam wurde es richtig hektisch: Er holte neue Leute, etwa seine rechte Hand Pierre-Olivier Bouvée, und degradierte Kaderleute im Dutzend, etwa den Schweiz-Chef Hans-Ulrich Meister oder die Kommunikationschefin Clarissa Haller. Höhepunkt war der Abgang von Vermögensverwaltungschef Iqbal Khan, der im Sommer 2019 beim Konkurrenten UBS landete und dort unlängst faktisch zur Nummer zwei hinter Ralph Hamers aufstieg.

Wie dünn die Bestände bei der CS nach all den Skandalen und Machtkämpfen sind, zeigte sich in der HR-Abteilung. Nachdem Peter Goerke bei Thiam in Missgunst fiel und auf einen Beraterposten abgeschoben wurde, holte man Antoinette Poschung an die Spitze, die frühere HR-Chefin, die eigentlich hatte kürzertreten wollen und vor der Pensionierung stand. Schliesslich übernahm Christine Graeff, die Anfang 2021 als Kommunikationschefin von der EZB zur Grossbank wechselte.

Mit den Turbulenzen erreichte nicht nur der Aktienkurs Tiefstmarken, auch die Beständigkeit der Topleute in den letzten Monaten nahm noch mehr ab. So trennte man sich nach der Archegos- und Greensill-Pleiten von Risikochefin Lara Warner und auch von Rechtschef Romeo Cerutti – und nun geht auch Finanzchef David Mathers. Immerhin ist er eine grosse Ausnahme: Er war bereits 1998 zur Credit Suisse gestossen.