Der Ikea-Katalog ist Geschichte. Noch 2016 in einer weltweiten Auflage von 200 Millionen Exemplaren verteilt, wird der Katalog des schwedischen Möbelriesen nach 70 Jahren eingestellt. Konrad Grüss vom Franchisegeber Inter Ikea Systems sprach am Montag von einer emotionalen Entscheidung. Er sei praktisch mit dem Katalog aufgewachsen. Deshalb berühre ihn die Entscheidung sehr. «Das war so etwas Wichtiges für uns», sagte Grüss der Nachrichtenagentur Reuters: Aber das Interesse an dem Druckwerk habe nachgelassen.

Der 2020er-Katalog - der letzte - hatte noch eine Auflage von 40 Millionen. Er habe regelmässig einen Grossteil des Marketingbudgets verschlungen, sagte Grüss. Das gesparte Geld solle künftig ins Online-Marketing fliessen. Die Kunden suchten sich ihre Einrichtungs-Anregungen zunehmend im Internet.

Internet-Umsätze gehen durch die Decke

Die Corona-Pandemie hat den Trend zum Online-Shopping noch verstärkt. In den zwölf Monaten bis Ende August stiegen die Internet-Umsätze von Ikea um 45 Prozent. Kürzlich waren Pläne des Konzerns bekanntgeworden, in Europa mehr Läden im Zentrum grosser Städte zu eröffnen. Bisher stehen die meisten Häuser am Stadtrand auf der grünen Wiese. Grüss sagte, Ikea arbeite an einer kleineren Publikation mit Einrichtungstipps, die in den Möbelhäusern ausliegen sollen.

1951 hatte Ikea-Gründer Ingvar Kamprad den ersten Katalog mit einer Auflage von 285.000 Stück in Südschweden verteilt. Den Titel zierte damals ein Ohrensessel: der «MK Wing Chair». Der Katalog war mehrfach zum Politikum geworden. So hatte Ikea 2012 Abbildungen von Frauen in der Version für Saudi-Arabien übermalt und damit Proteste hervorgerufen.

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(reuters/gku)