Die Deutsche Börse übernimmt für gut 1,8 Milliarden Dollar die Mehrheit an dem Aktionärsberater Institutional Shareholder Services (ISS). Der Konzern erwirbt eine Beteiligung von 80 Prozent an ISS, wobei das komplette Unternehmen mit 2,275 Milliarden Dollar bewertet wird, wie der Betreiber der Frankfurter Börse am Dienstag mitteilte.

Das aktuelle Management und der Finanzinvestor Genstar Capital blieben mit rund 20 Prozent an ISS beteiligt. Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer stemmt damit nach zuletzt mehreren gescheiterten Übernahmeversuchen den grössten Deal seiner Amtszeit, muss ihn aber teuer bezahlen. Genstar Capital hatte vor drei Jahren 720 Millionen Dollar für ISS auf den Tisch gelegt.

Einflussreiche Stimmrechtsberater

Bei Hauptversammlungen in Deutschland und Generalversammlungen in der Schweiz kommt Stimmrechtsberatern wie ISS und Glass Lewis eine prominente Rolle zu, da sich viele Fonds und Grossanleger bei ihrem Abstimmungsverhalten nach deren Empfehlungen richten. Aber auch bei Anlageentscheidungen stützen sich viele Investoren auf die Daten und Informationen von ISS, etwa wenn es um Nachhaltigkeit und gute Unternehmensführung (ESG) geht.

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«ISS ist ein sehr erfolgreiches Unternehmen und geniesst weltweit eine hohe Anerkennung als globaler Marktführer in der Bereitstellung von Daten, Analysen und Research für Investoren und Unternehmen und bei Governance Services», sagte Weimer.

Der Chef bleibt im Amt

Durch den Zukauf werde die Deutsche Börse zu einem der weltweit führenden Anbieter von ESG-Daten und Research. Um die Unabhängigkeit sicherzustellen, bleibe ISS innerhalb der Deutschen Börse eigenständig. ISS-Chef Gary Retelny werde das Unternehmen weiterhin leiten.

Im laufenden Jahr erwartet ISS Nettoerlöse von mehr als 280 Millionen Dollar und eine Gewinnmarge (Ebitda-Marge) von ungefähr 35 Prozent. Bis 2023 soll der Umsatz aus eigener Kraft um fünf Prozent pro Jahr wachsen. Mit der Deutschen Börse im Rücken könne ISS das Wachstum auch über Zukäufe beschleunigen, erklärte der Dax-Konzern.

Erfolgsmeldung für Deutsche-Börse-Leiter

Für Börsenchef Weimer ist der Zukauf am Vorabend der Präsentation einer neuen Mittelfriststrategie ein wichtiger Erfolg. Der 60-Jährige, der seit Anfang 2018 an der Spitze des Konzerns steht, hatte sich auf die Fahnen geschrieben, die Börse auch durch Übernahmen stärken. «Wir sind zum Wachsen verdammt», hatte Weimer kurz nach seinem Amtsantritt gesagt und mehrere Zukäufe gestemmt. Doch die grossen Fische waren ihm zuletzt entglitten.

So setzte sich die Mehrländerbörse Euronext im milliardenschweren Bieterkampf um die Mailänder Börse durch. Die Londoner Börse LSE kündigte im vergangenen Jahr die Übernahme des Datenanbieters Refinitiv für 27 Milliarden Dollar an und machte damit die Pläne von Weimer zunichte, die zu Refinitiv gehörende Devisenhandelsplattform FXall in einem Milliardendeal zu erwerben.

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So war der 850 Millionen Dollar schwere Zukauf des US-Konzerns Axioma bisher der grösste Deal in Weimers Amtszeit.

(reuters/mbü)