Die Mobiliar ist 2019 erneut schneller als die Konkurrenz gewachsen und hat im guten Börsenjahr mehr verdient. Im neuen Jahr hat der Wind an den Börsen mit den Sorgen über die Coronakrise gedreht. Und jenen KMU, die sich gegen Epidemien versichern liessen, bezahlt die genossenschaftlich verankerte Gruppe Geld.

«Wir machen als in der Schweiz agierender Versicherer keinen Unterschied, ob es sich bei Corona um eine Pandemie oder Epidemie handelt», sagte Mobiliar-Chef Markus Hongler an der am Dienstag telefonisch durchgeführten Bilanzmedienkonferenz. Andere, vor allem international ausgerichtete Versicherer, hätten hingegen die Deckung von Pandemierisiken in ihren Verträgen ausgeschlossen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte die Verbreitung des neuartigen Coronavirus bereits vor Wochen als länder- und kontinentübergreifende Pandemie ein. Dass Versicherer im Pandemie-Fall etwa für Schäden aus Betriebsschliessungen nicht haften, stösst bei Firmen mit Epidemiedeckungen auf Unverständnis.

Zahlungen für Reiseabbrüche

Bei der Mobiliar kommen solche Firmen zu Geld, doch es sind nicht allzu viele. «Nur rund 5 Prozent unserer Firmenkunden haben eine Deckung», sagte Hongler. Diesen Firmen werde die Mobiliar die vertraglich vereinbarten Beträge ausbezahlen. Dabei handle es sich pro Firma um mehrere 10'000 Franken.

Die Deckungen seien ursprünglich nicht mit der Erwartung einer lang andauernden Gesundheitskrise abgeschlossen worden, erklärte Hongler. Vielmehr hätten in der Nahrungsmittelindustrie tätige Firmen wie Käsereien, Gastrobetriebe oder Lebensmittelhändler den Epidemie-Zusatz beansprucht, um sich vor Verunreinigungen ihrer Produkte zu schützen.

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Stärker als Betriebsschliessungen fallen bei der Mobiliar die Belastungen in der Reiseversicherung ins Gewicht, wo man für Kosten im Zusammenhang mit Annulationen oder dem Abbruch von Ferien geradesteht. Über alle Sparten hinweg rechnet Hongler wegen des Coronavirus mit versicherten Schäden im Bereich von 350 bis 400 Millionen Franken.

Solide finanziert

Zu spüren bekommt die Mobiliar den Einbruch an den Finanzmärkten. Dies habe im laufenden Jahr zu einer Halbierung der Neubewertungsreserven auf den Aktienpositionen geführt, sagte der Mobiliar-Chef. Im sehr guten Börsenjahr 2019 weitete sich diese Reserve auf über 800 Millionen Franken aus.

Schutz bieten den insgesamt knapp 18-Milliarden-schweren Finanzanlagen nebst dem Reservepolster auch defensive Anlagen wie Gold oder Immobilien. Während sich der Aktienanteil auf 16 Prozent beläuft, machen die Immobilien gut 17 Prozent und Gold gut 4 Prozent aus.

Die Gruppe verfüge trotz Corona weiterhin über eine «sehr hohe» Eigenkapitalausstattung, unterstrich Hongler. In der bei der Finanzmarktaufsicht Finma eingereichten Zwischenbilanz mit Stichtag 20. März liegt die im Schweizer Solvenzverfahren gemessene SST-Quote noch immer über 500 Prozent. Kaum ein anderer Versicherer kommt auf einen derart hohen Wert.

Marktanteile dazugewonnen

Reibungslos lief das Geschäft der Mobiliar im vergangenen Jahr. Der Gewinn kletterte mit dem Rückenwind an den Finanzmärkten um 10 Prozent auf 489 Millionen Franken und die Prämieneinnahmen stiegen um 3,1 Prozent auf 3,95 Milliarden.

In der Schadenversicherung nahm das Volumen um 3,8 Prozent auf 3,19 Milliarden zu, während der Schweizer Markt nur ein Wachstum von 1,9 Prozent verzeichnete. Damit stieg der Marktanteil der Mobiliar im Nichtlebengeschäft auf knapp einen Fünftel. Nur jener der Axa liegt noch höher.

Unklar bleibt derweil, wer Hongler Anfang 2021 als Mobiliar-Chef beerben soll. Die Suche nach einem Nachfolger sei im Gange, sowohl nach externen wie internen Kandidaten, sagte er.

(awp/mbü)