Die europäische Versicherungsbranche warnt vor einem generellen Verbot von Gewinnausschüttungen wegen der Corona-Krise. Die Pandemie könnte bei den Versicherungen zwar zu Verlusten zwischen 50 und 100 Milliarden Dollar führen, doch die Auswirkungen auf die einzelnen Versicherer seien sehr unterschiedlich, erklärte der Branchenverband Insurance Europe am Montag.

Zudem hätten die Unternehmen eine Verantwortung gegenüber ihren Aktionären, von denen sich viele bei ihren Rentenplanungen auf Dividendenzahlungen verliessen. Die Aufseher sollten daher auf pauschale landesweite oder regionale Verbote von Gewinnausschüttungen verzichten und sie nur im Einzelfall untersagen, wenn dadurch die Kapitalpolster zu sehr schrumpfen.

Branche trifft es doppelt

Die europäische Aufsichtsbehörde EIOPA hatte Versicherern empfohlen, angesichts der Corona-Pandemie auf Dividenden zu verzichten. Versicherer wie die Allianz, die Münchener Rück, die italienischen Generali und die französische AXA schütten jedoch für 2019 Dividenden aus. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hält ein pauschales Ausschüttungsverbot für nicht notwendig. Von den Banken fordert sie dagegen einen Dividendenverzicht.

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Die Krise trifft die Branche doppelt: zum einen als Kapitalanleger, zum anderem im Kerngeschäft, das etwa von hohen Auszahlungen durch den Ausfall von Grossveranstaltungen geprägt ist. Insurance Europe forderte daher ein Entgegenkommen der Aufseher. «Ein gewisses Mass an aufsichtsrechtlicher Flexibilität ist entscheidend, um Versicherer in die Lage zu versetzen, ihre Produkte und Dienstleistungen an neue Marktrealitäten anzupassen», erklärte der Verband.

(awp/tdr)