Die Corona-Fallzahlen nehmen derzeit rasant zu und dürften in den nächsten Tagen wieder auf über 1000 pro Tag klettern. Die Coronavirus-Neuansteckungen verdoppeln sich somit aktuell jede Woche, und die Reproduktionszahl ist auf 1,44 angestiegen, wie Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung im Bundesamt für Gesundheit (BAG), vor den Medien sagte.

Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter ansteckt. Die Inzidenz, die Ansteckungen in den vergangenen 14 Tagen pro 100'000 Einwohnern, stiegen auf über 60, wie Mathys am Dienstag in Bern weiter sagte. Dieses Infektionsgeschehen habe aber keine sichtbaren negativen Auswirkungen auf das Schweizer Gesundheitssystem.

Für die stark gestiegenen Ansteckungszahlen sind demnach hauptsächlich den Altersgruppen der 10- bis 19-Jährigen und noch mehr die 20- bis 29-Jährigen verantwortlich, die die niedrigste Impfrate aufwiesen. Die hochansteckende Delta-Variante macht unterdessen rund 75 Prozent aller Coronavirus-Fälle aus. Immerhin nähmen die Tests zu.

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Heftigere Welle als im Herbst

Die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce des Bundes hat angesichts steigender Corona-Fallzahlen und abnehmenden Impftempos vor einer weiteren gravierenden Pandemie-Welle warnt aber auch. «Wir können nochmals eine Welle erleben, die höher war als im letzten Herbst», sagte Taskforce-Vizepräsidentin Samia Hurst am Dienstag vor den Medien in Bern.

Deshalb müsse das Impfen weiter vorangetrieben werden, sagte Hurst. Im Mai und Juni sei die Schweiz gut unterwegs gewesen mit rückläufigen Fallzahlen und zunehmendem Impftempo. Seit Mitte Juli gehe aber das Impftempo zurück und die Fallzahlen würden sich jede Woche praktisch verdoppeln.

Angst vor mehr Hospitalisierten 

Derzeit seien noch zahlreiche Menschen nicht immun gegen das Virus, erklärte Hurst. Wenn sich ein Grossteil davon in einer neuen Welle infiziere, könne die Zahl der Hospitalisierten und Todesfälle gleich hoch oder höher sein als bei der letzten grossen Infektionswelle im Herbst 2020.

Impfungen würden auch das Risiko für Kinder senken, für die Impfungen noch nicht zugelassen seien, sagte Hurst. Dort seien zwar bei einer Infektion Todesfälle selten, aber es könne auch zu schwerwiegenden Long-Covid-Fällen kommen.

(sda/tdr)