Wenn die grossen US-Geldhäuser in den nächsten Tagen ihre Zahlen zum dritten Quartal vorlegen, dürften sich Anleger hierzulande wieder einmal die Augen reiben. Während die Deutsche Bank mitten im größten Konzernumbau ihrer Geschichte steckt und für dieses Jahr ein dickes Minus angekündigt hat, verdienen sich Goldman Sachs & Co. eine goldene Nase.

Zwar belasteten nach Ansicht von Analysten im Sommer die niedrigeren US-Zinsen und die Turbulenzen an den Börsen das Geschäft, dennoch werden die Institute jenseits des Atlantiks wieder Milliardengewinne präsentieren.

Allein die grösste US-Bank JPMorgan hat nach Meinung von Experten im Quartal wieder fast zehn Milliarden Dollar verdient, die Bank of America rund sieben Milliarden Dollar und die Citigroup rund fünf Milliarden. Von April bis Juni hatten Zuwächse in der Privatkundensparte noch geholfen, Schwächen im Investmentbanking auszugleichen.

Das könnte nun aber schwieriger werden, denn die US-Notenbank Fed kappte die Leitzinsen in mehreren Schritten, zuletzt auf die Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent - und mehrere Währungshüter signalisierten für 2019 noch eine weitere Senkung. «Wir erwarten ein schwächeres drittes Quartal, was vor allem an niedrigeren Zinsen und Zinserwartungen liegt», sagt Analyst Jonathan Summitt von JPMorgan.

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Schon im Sommer, nach der ersten Zinssenkung in den USA seit zehn Jahren, hatten JPMorgan und Citi ihre Jahresprognosen für den Zinsüberschuss zurückgenommen. Mit Spannung wird erwartet, ob sie mit noch mehr Ertragseinbussen rechnen und die Erwartungen weiter herunterschrauben.

Auch Deutsche-Bank-Finanzchef James von Moltke bereitete Investoren bereits darauf vor, dass die ursprünglich in Aussicht gestellten Erträge wegen der gesunkenen Zinserwartungen wohl nicht erreicht werden. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hatte die Geldpolitik Mitte September weiter gelockert.

Alle Augen auf das Investment-Banking

Mit Argusaugen blicken Anleger und Analysten auch auf das Investmentbanking. «Wenn die Zahlen von JPMorgan und anderen US-Banken zeigen, dass es im Aktien- und Anleihehandel schlecht gelaufen ist, kann man daraus Rückschlüsse für die Deutsche Bank ziehen», sagt Analyst Philipp Hässler vom Brokerhaus Pareto Securities.

Die Unsicherheiten wegen des Handelsstreits zwischen Peking und Washington und politische Spannungen im Nahen Osten belasteten das Geschehen an den weltweiten Kapitalmärkten in den vergangenen Monaten. Mehrere Unternehmen begruben ihre Pläne für Börsengänge - und den Investmentbanken gingen wichtige Erträge durch die Lappen. Auch das Anleihegeschäft, das für die Deutsche Bank von grosser Bedeutung ist, dürfte erneut schleppend gelaufen sein, wie die Analysten von JPMorgan vermuten.

Am Dienstag geben JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo detaillierte Einblicke in den Verlauf des dritten Quartals. Am Mittwoch folgt die Bank of America, am Donnerstag Morgan Stanley. Die Deutsche Bank will ihre Zahlen am 30. Oktober veröffentlichen.

(reuters/mlo)