Mindestens eine Viertelmillion Franken kostet ein Lamborghini Urus. Wer die am besten motorisierte Variante mit extravagantem Innendekor wünscht, zahlt nochmals deutlich mehr. Keine Frage: Lamborghini ist Luxus. Die italienische VW-Tochter verkauft ihre Produkte nicht an Finanzschwache.

Und doch: Millenials sind die wichtigste Klientel des Sportwagenanbieters. Das sagt Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann im Interview mit «Business Insider». «Im Jahr 2025 dürften 70 Prozent unserer Kunden im Alter von unter 40 Jahren sein», so der frühere Fallschirmspringer, der bereits zum zweiten Mal an der Spitze der 1963 gegründeten Marke steht. 

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Das hat Folgen. Die neue Generation verlange mehr Rücksicht auf das Thema Nachhaltigkeit. Entsprechend seien die neuen Autos geplant: «2022 betrachten wir als das letzte Jahr mit Produktvorstellungen reiner Verbrenner», sagt Winkelmann. «Anfang 2025 werden wir die komplette Modellpalette hybridisiert haben.»

Corona-Krise, Chip-Mangel, Ukraine-Krieg

Gut 8000 Neuwagen produzieren die Italiener jedes Jahr. Und die Bedingungen sind alles andere als einfach. «Es gibt wohl kaum einen Zeitraum, über den sich in der Automotive-Branche mehr Sorgen angehäuft haben als die vergangenen zweieinhalb Jahre», so Winkelmann.

«Erst die Coronakrise, dann der Chipmangel, jetzt Russlands Krieg in der Ukraine. Durch die Pandemie sind wir bislang gut hindurchgekommen. Bei den Chips hilft uns, dass wir Teil eines grossen Konzerns sind – und eine kleine Marke, mit geringem Volumen, aber hohen Margen pro Fahrzeug. VW hat uns mit Vorrang behandelt. Insofern hatten und haben wir kaum Probleme bei der Versorgung mit Halbleiterbauteilen.»

Die Aktivitäten auf dem russischen Markt seien ausgesetzt. In der Ukraine gäbe es keine Verkaufsaktivitäten. «Dort allerdings produziert ein wichtiger Zulieferer Kabelstränge für Lamborghini», sagt Winkelmann. «Wir fahren dabei jetzt auf Sicht. Seit Kriegsbeginn hatten wir lediglich drei Tage Produktionsausfall für die Huracán-Linie. Inzwischen konnten wir einen Puffer für fünf Tage aufbauen. Hut ab vor der Belegschaft in der Ukraine. Dort mussten Schichten gestrichen werden, wegen Bombenalarms. Es ist toll, was die Teams dort leisten.»

Wird Lamborghini zurückkehren auf den russischen Markt? «Es ist noch zu früh, um das zu beurteilen», so Winkelmann. «Niemand weiss, was dort das ‹neue Normal› sein wird und wie die geopolitische Lage nach dem Krieg aussehen wird.» (ise)