Die USA und Israel haben am Wochenende den Iran angegriffen. Am dem weltweiten Finanzmärkten geben die Aktienkurse nach, während der Ölpreis und sichere Häfen wie Gold oder der Schweizer Franken gesucht sind. Eine Panik bleibt allerdings bislang aus. Noch sei einfach sehr vieles unklar, meinen Ökonomen und Strategen.
Während ihrer Angriffe haben die USA und Israel am Wochenende auch das iranische Staatsoberhaupt, den Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei, getötet. Teheran reagierte seinerseits mit Angriffen auf Ziele in Israel sowie auf mehrere US-Militärstützpunkte in der Golfregion. Wie die VP Bank schreibt, sei die Lage unübersichtlich. «Ob es sich um einen kürzeren oder längeren Konflikt handelt, bleibt gegenwärtig nur schwer einschätzbar.» Fakt sei, dass die Ölpreise aufgrund befürchteter Lieferverzögerungen durch eine Blockade der Strasse von Hormus bereits gestiegen seien.
Der SMI verliert gegen 11.10 Uhr 1,42 Prozent auf 13'814,72 Punkte. Damit notiert er allerdings mehr 100 Punkte über seinem bisherigen Tagestief, das er im frühen Handel bei 13'700 Punkte markiert hatte. Der SMIM-Index für die mittelgrossen Werte fällt um 0,98 Prozent auf 3122,74 und der breite SPI um 1,31 Prozent auf 19'003,07 Zähler. Gleichzeitig schnellt der Volatilitätsindex VSMI um 14 Prozent in die Höhe. Er gilt als Gradmesser der Nervosität.
Auch an den wichtigsten europäischen Börsen haben die Leitindizes ihre anfänglichen Verluste etwas aufgeholt. Nachdem sie zunächst deutlich mehr als 2 Prozent verloren hatten, geben der deutsche Dax oder französischen Cac-40 mittlerweile um 1,7 bzw. 1,6 Prozent nach. Auch für die Wall Street haben sich die Futures von ihren Tiefständen gelöst. Der Dow wird aktuell um etwa ein Prozent tiefer erwartet.
Ölpreise im Fokus
Wichtig ist für viele Beobachter, was mit dem Ölpreis passiert. Die Preise zogen zwar an, eine Panik blieb gleichwohl aus. Und dies, obwohl der Iran den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels, eingeschränkt hat. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge. Jede Störung könnte die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern.
Die Staaten des Ölkartells Opec+ hatten am Sonntag beschlossen, die Tagesproduktion zu erhöhen, um Engpässe und zu starke Preisanstiege zu verhindern. Gemäss Ökonomen haben sie aber nicht genug freie Produktionskapazitäten, um eine Hormus-Blockade wettzumachen. Für Europa inklusive Schweiz gilt ein länger anhaltend hoher Ölpreis entsprechend als Inflationsrisiko und möglicher Wachstumsdämpfer.
Mit Blick auf die Schweizer Wirtschaft würde für den Ökonomen Santosh Brivo von der Migrosbank ein lange Störung/Blockade der Strasse von Hormoz die Schweizer Aussenwirtschaft vor allem über Zweitrundeneffekte betreffen. «Die arabischen Länder setzen Ausfuhren über dieses Nadelöhr vor allem nach Asien ab - für die Schweizer Exporte ist sie nicht die primäre Route.»
Sichere Häfen gesucht
In diesem Umfeld setzen Investoren denn auch verstärkt auf sichere Häfen. Das zeigt sich vor allem beim Schweizer Franken. Das Euro/Franken-Paar ist am Morgen auf den tiefsten Stand seit 2015 gefallen, hält Salah-Eddine Bouhmidi von IG Markets fest. «Das damalige Extremtief liegt zwar noch darunter, doch die aktuelle Bewegung bringt das Währungspaar zurück in eine historisch bedeutende Unterstützungszone.»
Wie ein Blick auf die einzelnen Kurse zeigt, trennen sich Investoren vor allem von jenen Werten, die zuerst unter den Kriegsfolgen leiden, etwa Richemont (-4,9%) oder Swatch (-5,1%). Geopolitische Unsicherheiten treffen Hersteller von Luxusgütern oft stärker, da sie die Nachfrage belasten.
Aber auch Avolta (-6,7%) oder der Flughafen Zürich (-4,1%) sind von den Unterbrechungen im internationalen Flugverkehr betroffen.
Gegen den Trend gewinnen vor allem Kühne+Nagel mit +1,1 Prozent überdurchschnittlich stark hinzu. Das schwierige Umfeld könnte die Frachtgebühren nach oben treiben. Auch Schwergewicht Nestlé (+0,2%) gewinnen hinzu.
(awp/dob)
