Gemüsebauer Pascal Gutknecht steht auf einem seiner Felder auf einem Hügel bei Kerzers. "Die Wasserfassung ist versiegt", sagt er mit Blick auf die langsam gelber werdenden Pflanzen. Die letzte Bewässerung sei vor etwa sieben, acht Tagen erfolgt. Seither sei die Quelle leer.

Die Gewitterregen der vergangenen Tage hätten zwar eine leichte Entspannung gebracht, seien aber insgesamt zu wenig, um wirklich Abhilfe zu schaffen. Bleibe kräftiger Regen noch länger aus, dann stellten die Pflanzen ihr Wachstum ein und verdorrten schliesslich.

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Nicht alle Felder sind von der Trockenheit gleich stark betroffen. Die meisten lassen sich aktuell noch gut bewässern, so auch bei Gutknechts. Prekär wird es aber, wenn örtliche Wasserquellen versiegen, wie bei den auf einem Hügel gelegenen Feldern im Ried bei Kerzers.

Mit wenig Wasser ins Jahr gestartet

Das Problem der Wasserknappheit hat seinen Ursprung im vergangenen, niederschlagsarmen Winter. Es folgte ein schöner Frühling und ein früher Start in den Sommer. "Wir sind knapp mit Wasser gestartet, es kam nichts dazu und jetzt wird es langsam eng", fasst Gutknecht zusammen.

Bei kurzfristigen Kulturen wie Salat gibt es laut Gutknecht Ernteausfälle, bei längerfristigen Kulturen wie etwa Broccoli oder Sellerie sei es hingegen noch zu früh für eine Bilanz. Die Natur könne viel wiedergutmachen, wenn es denn nun regnen würde.

Das Seeland gilt als Gemüsegarten der Schweiz. Grundwasser und Wasser aus dem Bieler-, Neuenburger- und Murtensee sowie aus der Aare und zahlreichen Bächen ist vorhanden. Die Herausforderung ist jedoch, das kostbare Nass von dort zu den Feldern zu bringen. Dazu braucht es viele technische Einrichtungen.

Um der Trockenheit ein wenig ein Schnippchen zu schlagen, setzt Gutknecht auf eine breite Produktepalette. Manche Pflanzen hätten es lieber heiss und trocken, andere gediehen besser bei anderen Bedingungen. Er versuche immer, das Beste aus einer Situation zu machen.

Sorgen bereitet dem Gemüsebauern eher der Blick in die Zukunft, denn es falle deutlich weniger Niederschlag. In der Schweiz werde das Thema der Wasserknappheit klar unterschätzt, denn man habe das Gefühl, in einem Wasserschloss zu leben.

Abhilfe aus dem Oberland?

Begünstigt durch den Klimawandel dürfte es in Zukunft vor allem im Unterlauf der Aare vermehrt zu sommerlicher Wasserknappheit kommen. Das besagen auch Erkenntnisse aus dem Forschungsprogramm Hydro 2018.

Im Kanton Bern gibt es namentlich im Oberhasli grosse Stauseen, die heute ausschliesslich für die Stromproduktion genutzt werden. Mit dem Stausee an der Trift und der Erhöhung der Grimselstaumauer sollen die Kapazitäten ausgebaut werden.

Statt nur für die Stromproduktion sollten die Speicherseen auch als Mittel gegen die Wasserknappheit eingesetzt werden, so eine Forderung aus dem bernischen Grossen Rat.

Die Stauseen im Oberland könnten das Problem nicht allein lösen, betonte der Grüne Grossrat Jan Remund, aber sie könnten wahrscheinlich die Knappheit lindern. Daher solle eine Mehrzwecknutzung der Stauseen bei der Konzessionierung festgeschrieben werden.

Der Regierungsrat hingegen zierte sich zunächst ein wenig, da ein eigenes Gutachten das Speichervolumen des Trift-Projekts als zu gering beurteilte, um massgebliche Beiträge zur Bewältigung von Hochwassersituationen und Trockenzeiten zu leisten.

In der Ratsdebatte im vergangenen Frühling versprach Regierungsrat Christoph Neuhaus, die Frage mit Blick auf eine Erneuerung der Gesamtkonzession der Kraftwerksanlagen im Oberhasli im Jahr 2042 zu prüfen. Gerne hätte es die Regierung mit diesem Versprechen bewenden lassen und den Vorstoss als erledigt abgeschrieben.

Das tat das Parlament aber nicht. Es überwies die Forderung einstimmig und verweigerte die Abschreibung.