Der Schweizer Franken steht aufgrund der durch den Ausbruch des Coronavirus bedingten Abschwächung der Weltwirtschaft einmal mehr unter starkem Aufwertungsdruck.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte dies nicht unbeantwortet lassen. Mit einer Zinssenkung durch die SNB rechnen die Ökonomen der Credit Suisse aber zunächst noch nicht.

Mehr Devisenkäufe

Erst im zweiten Quartal dürfte die SNB den Leitzins um ein Viertelprozentpunkt auf -1,0 Prozent senken, schreibt CS-Ökonom Maxime Botteron in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Kurzfristig werde die SNB vermehrt Devisenkäufe tätigen, um den Aufwertungsdruck einzudämmen.

Die SNB sei, seit sie im Januar zu einem Euro-Kurs von 1,08 Franken interveniert habe, regelmässig am Devisenmarkt aktiv. Ein bestimmtes Wechselkursniveau für das Paar Euro-Franken scheine die SNB aber nicht zu verteidigen, hält Botteron fest.

Wie hart trifft die Krise die Schweiz?

An der kommende Woche bevorstehenden Veröffentlichung der geldpolitischen Lagebeurteilung dürfte die SNB den Leitzins somit noch unverändert beibehalten, lautet seine Einschätzung.

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Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs seien noch sehr ungewiss. Aber sollte es zu der erwarteten globalen Welle an geldpolitischen Lockerungen kommen - womit die CS in den kommenden Wochen und Monaten rechnet - dann werde die SNB dem wenig entgegenzusetzen haben.

Entscheidung der SNB von EZB abhängig

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte auf ihrer geplanten Sitzung am Donnerstag möglicherweise noch nicht alle Einzelheiten eines möglichen Lockerungspakets vorlegen. «Wir glauben daher, dass es für die SNB verfrüht wäre, ihren Leitzins bereits am 19. März zu senken», schreibt CS-Ökonom Botteron.

Die SNB dürfte aber die bedingte Inflationsprognose - unter anderem wegen des schwachen Dollar und des Rückgangs der Ölpreise - für 2020 auf 0,3 Prozent nach unten revidieren. Dies liege deutlich unter der Definition der Preisstabilität und wäre ein deutliches Anzeichen für eine Lockerung der Geldpolitik und damit für eine bevorstehende Senkung des Leitzinses durch die SNB.

Eine Überraschung bleibt möglich

Wenn die SNB die Renditedifferenz zum Euro, die für sie so grosse Bedeutung habe, aufrechterhalten wolle, werde sie wohl nachziehen müssen, wenn die EZB die Zinsen senkt.

Sollte die EZB ihre Geldpolitik gar erheblich lockern und die Märkte schon am 12. März mit einer Zinssenkung um 20 Basispunkte (BP) oder mehr überraschen, «müsste die SNB unserer Meinung nach höchstwahrscheinlich am 19. März mit einer Zinssenkung auf -1,00 Prozent folgen.»

(awp/mbü)