In der Schweiz sind fast 300 Bergführer für Canyoning ausgebildet. Seit etwa zwanzig Jahren gibt es auch ein optionales Modul für Mountainbiking.

Der Schweizer Bergführerverband ermutigt seine Mitglieder, neue Kompetenzen zu erwerben. Es gebe auch Ausbildungen für Arbeiten am Seil, für die Bergführer prädestiniert seien - etwa im Bauwesen oder beim Schneiden von Bäumen, erklärt Pierre Mathey, der Generalsekretär des Verbandes.

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Andere von Keystone-SDA kontaktierte Bergführer arbeiten nebenberuflich als Rettungssanitäter für Helikopter-Rettungsdienste. Die entsprechenden Kenntnisse können sie auch auf Bergtouren einsetzen, wünschen doch einige Kundinnen und Kunden eine Schulung in Bergrettung.

«Generell nimmt bei unseren Kunden der Wunsch zu, sich weiterzubilden und selbstständiger zu werden», beobachtet Mathey. Um eine Revolution handle es sich allerdings nicht, gehöre es doch seit jeher zum Beruf des Bergführers, sich anzupassen.

Mit einer breiteren Angebotspalette steigt auch die Flexibilität: «Wenn eine Tour im Hochgebirge unmöglich ist, kann ich mit Canyoning einen attraktiven Plan B anbieten und vermeiden, die Tour abzusagen», sagt der Bergführer Nicolas Simon dazu, der auch Gleitschirmflüge anbietet.

Wetter wird unberechenbarer

Bereits 2019 konstatierte eine Studie der Universität Lausanne einen Trend hin zu Aktivitäten ausserhalb des Hochgebirges. Grund sei, dass die Bedingungen namentlich im Sommer wegen des Klimawandels unberechenbar geworden seien.

Die befragten Bergführer in der Region Chamonix nennen als Problem namentlich zunehmenden Steinschlag - und dass im Sommer auf den Gletschern die Schneedecke fehle.

Auch im Winter wirke sich die Klimaerwärmung aus, allerdings auf eine andere Weise, so Bergführerverbands-Generalsekretär Mathey: «Die Bedingungen können sich aufgrund schneller und starker Temperaturschwankungen innerhalb weniger Tage radikal ändern.»

In einer Umfrage des Bergführerverbandes gaben 2024 die Hälfte der Befragten an, ihre Aktivitäten wegen des Klimawandels anzupassen. Mathey sagt, seit fünf Jahren verstärke sich dieser Trend. Zugleich schränkt er ein: Es gehe nicht darum, bestimmte Aktivitäten vollständig durch andere zu ersetzen. Im Alpenraum gebe es genügend Orte, auf die Bergsteigerinnen und Bergsteiger ausweichen könnten - sei es in der Schweiz oder im grenznahen Ausland.

Nur ein Drittel Vollzeit-Bergführer

«Meine Leidenschaft für andere Aktivitäten war eindeutig meine Hauptmotivation», erklärt Alex Glasner, der auch Rettungssanitäter ist. Aber in einer sich verändernden Welt und Natur sei es sehr angenehm, nicht von einer einzigen Tätigkeit abhängig zu sein.

«Im Jahr 2024 lebten ein Drittel der Bergführer zu 100 Prozent von ihrem Beruf», erläutert Pierre Mathey. Die anderen zwei Drittel übten ihren Beruf in Teilzeit oder als Zusatzverdienst während der touristischen Hochsaison aus.

Rein anteilsmässig bleiben laut dem Generalsekretär des Bergführerverbandes die alternativen Angebote im Vergleich zur Gesamtzahl der geführten Touren marginal. Sie könnten aber helfen, Zeiten mit touristischer Flaute zu überbrücken.

Ambivalenz bei den Kunden

Nicht alle Kunden verstünden die neuen klimatischen Gegebenheiten, sagt Nicolas Simon: «Einige suchen ein steriles Abenteuer.» Manchmal müsse man pädagogisch vorgehen, um sich an Unvorhergesehenes anpassen zu können und geeignete Ziele zu setzen.

«Wenn Kunden sich auf ein Ziel fixieren, zum Beispiel einen Gipfel, ist das der beste Weg, um nicht das zu erreichen, was man eigentlich erreichen möchte», bestätigt Alex Glasner. Dies sei auch ein enormer Druck für Bergführer. Mit Gesprächen vor der Tour könne man aber oft dafür sogen, dass es am Ende darum gehe, einen schönen Tag in den Bergen zu verbringen, statt unbedingt einen bestimmten Punkt erreichen zu müssen.

Piere Mathey seinerseits relativiert die Aussagen seiner Bergführer-Kollegen: Die Kundschaft verstehe heute besser, dass angesichts des Klimawandels Flexibilität nötig sei, und habe mehr Lust als früher, ihre Aktivitäten zu variieren.