Chinas Wirtschaft könnte in eine Phase der «Quasi-Stagflation» mit relativ langsamem Wachstum und übermässig hoher Erzeugerpreisinflation eintreten, sagte Liu Shijin, ein Berater der chinesischen Zentralbank, wie «Bloomberg» berichtet.

Ein solches Szenario sei «sehr wahrscheinlich», wenn die Nachfrage schwach bleibe, die Erzeugerpreise hoch blieben, die Unternehmensgewinne gedrückt würden und die bestehenden Risiken in der Wirtschaft «zu schnell freigesetzt würden», sagte er am Sonntag auf einem Online-Forum, dem China Macroeconomy Forum.

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Wachstum seit September verlangsamt

Eine solche Möglichkeit müsse genau beobachtet werden, denn wenn sie einmal eintrete, werde sie bis ins nächste Jahr andauern. Das chinesische Wirtschaftswachstum habe sich seit September merklich verlangsamt.

Wenn man sich die aktuelle Situation ansehe, insbesondere die durchschnittliche Wachstumsrate der letzten zwei Jahre, werde das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal sehr wahrscheinlich unter 4 Prozent liegen, sagte er.  

Weiche Landung anstreben

Liu, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der People's Bank of China, schlug einen «angemessen langen» Zeitrahmen vor, um strukturelle Probleme wie die Verschuldung lokaler Gebietskörperschaften und die rasche Expansion bestimmter Bauträger anzugehen, und empfahl, eine «weiche Landung» anzustreben, um die negativen Folgen zu minimieren.  

Das Platzen «einiger Blasen» sei zwar schwer zu vermeiden, werde aber nichts an der Gesamtsituation ändern, sagte er, ohne konkret zu werden. Liu rief auch dazu auf, dem «strukturellen Potenzial» der Wirtschaft mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wie beispielsweise den städtischen Clustern, der digitalen Wirtschaft und der grünen Entwicklung, die seiner Meinung nach für das Wachstum wichtiger sein können als die makroökonomische Politik. (Bloomberg/ag)