In vielen Ländern der Welt beginnen Bäuerinnen und Bauern bald damit, Samen zu pflanzen. Bei rund der Hälfte der weltweiten Nahrungsmittelproduktion wird dabei Stickstoffdünger wie Harnstoff eingesetzt. Dieser wird aus Erdgas hergestellt.

Wegen des Kriegs im Nahen Osten ist nun aber die weltweit wichtigste Handelsroute für Düngemittel blockiert - nämlich die Strasse von Hormus. Laut Analysten der Rabobank gehen etwas weniger als ein Drittel der weltweiten Stickstoffdüngerexporte durch diese Meerenge. Zu den grossen Exporteuren gehören etwa Katar, Saudi-Arabien, Oman und der Iran.

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Auch gewisse andere Routen im Persischen Golf, in Nordafrika und im östlichen Mittelmeer sind eingeschränkt. Containerschiffe müssen nun über das Kap der Guten Hoffnung ausweichen, was die Auslieferung um bis zu zwei Wochen verzögert.

Dadurch steigen auch die Transportkosten, wie Experten von Coface schreiben. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die weltweiten Lebensmittelpreise stark ansteigen», warnte am Montag auch Swissquote-Analystin Ipek Ozkardeskaya.

Globale Lebensmittelkrise möglich

«Die Blockade könnte eine globale Lebensmittelkrise auslösen», sagte Charlotte Pavageau von der Zürcher Stiftung Biovision im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Über die Strasse von Hormus würden jährlich 10 bis 20 Millionen Tonnen Harnstoff transportiert. Die Stiftung spezialisiert sich auf nachhaltige Landwirtschaft.

«Die Länder, die den Dünger importieren, verfügen in der Regel über sehr tiefe Lagerbestände», erklärte Pavageau weiter. Ausserdem würden die Mittel kurz vor der Pflanzsaison eingeführt. Jeder Tag Verzögerung kann die Erträge also schmälern, gerade bei den wichtigen Grundnahrungsmitteln Mais, Weizen und Reis.

Von den aktuellen Engpässen sind laut der Expertin besonders die Türkei, Brasilien und Mexiko betroffen. Diese hängen stark von der kommerziellen Landwirtschaft ab, die sehr düngerintensiv ist. Gehen die Erträge dort zurück, spürt das auch die Schweiz: «Unser Ernährungssystem ist komplett miteinander vernetzt», so Pavageau.

Die Schweiz selbst bezieht den meisten Dünger zwar aus europäischen Nachbarländern, viele Lebensmittel und Tierfutter kommen jedoch aus dem Ausland.

Schwellenländer leiden besonders

Die höheren Preise belasten insbesondere auch Schwellenländer, die wenig Geld für Importe zur Verfügung haben. «Sie müssen den Düngerverbrauch senken, was die Erträge reduziert», sagte Pavageau. Die Lebensmittelpreise steigen und schlimmstenfalls kommt es zu einer Nahrungsmittelknappheit.

Die Stiftung Biovision fordert daher, dass Länder unabhängiger von grossen chemischen Produzenten werden. Gemäss der Expertin könnten Länder zum Beispiel selbst Biodünger produzieren.

Langfristig sollten sie ihr zufolge zudem auf einen ökologischeren Anbau umstellen, der mit weniger Chemie auskommt. «Die Möglichkeiten sind da, es braucht aber Zeit und Investitionen.»