Geberit hat in den ersten neun Monaten 2022 zwar noch mehr verkauft als im Vorjahr. Die Wachstumsdynamik ist im dritten Quartal aber zum Erliegen gekommen. Der Home-Improvement-Trend hat sich verflüchtigt und bei Renovationen erhalten Heizungen den Vorzug.

Der Gewinn wird zudem von der hohen Teuerung gebremst.

Der Umsatz erhöhte sich von Januar bis September um 1,4 Prozent auf 2,73 Milliarden Franken, wie der Sanitärtechnikkonzern am Mittwoch mitteilte. Ohne die negativen Währungseffekte im Umfang von 184 Millionen Franken ergibt sich indes ein klar höheres organisches Wachstum von 8,2 Prozent. Dieses wiederum ist einzig den mehrmals erhöhten Preisen zu verdanken, denn die Volumina blieben im Vergleich zur Vorjahresperiode stabil.

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Im Vorjahr hatten die verkauften Volumina wegen des durch Covid ausgelösten Home-Improvement-Trends noch ein historisches Rekordniveau erreicht, so Geberit. Positiv zur Volumenentwicklung hätten erfolgreiche Neuprodukteinführungen sowie ein starkes Wachstum in den Aufbaumärkten ausserhalb Europas beigetragen, heisst es zum Geschäftsverlauf nach neun Monaten.

In der Haupt-Absatzregion Europa lag das währungsbereinigte Umsatzplus nach neun Monaten bei 7,8 Prozent, wobei sich die wichtigen Hauptmärkte Deutschland und die Schweiz nur leicht unterdurchschnittlich entwickelten.

Vollbremsung im dritten Quartal

Die soliden Zahlen nach neun Monaten sind allerdings vom starken ersten Halbjahr geprägt. Denn im dritten Quartal hat sich das organische Wachstum merklich verlangsamt. Es lag noch bei 1,6 Prozent, während sich in Franken gemessen gar ein Rückgang der Verkäufe um 7,5 Prozent ergab. Im ersten Semester wuchs Geberit in Lokalwährungen noch um mehr als 11 Prozent.

Dass das währungsbereinigte Wachstum noch positiv blieb, ist auf die Preiserhöhungen zurückzuführen, die Volumen gingen indes um 8 Prozent zurück. Dieser Rückgang sei dem erwarteten Abbau von Lagerbeständen im Grosshandel geschuldet, der wegen der ausserordentlichen Preisehöhungen erwartet worden sei, allerdings nicht in diesem Ausmass.

Weiter hat das Renovationssegment nicht mehr vom Covid-getriebenen Trend zur Verschönerung der eigenen Wohnung profitiert. Und zu einem Faktor ist auch die Energiekrise geworden. Geberit beobachtet in einigen europäischen Ländern eine Verschiebung der Investitionen von Sanitär- zu Heizungslösungen.

Gewinn geht deutlich zurück

Da die verschiedenen Preisrunden von Geberit die Teuerung nicht ganz auffangen konnten, ging der Gewinn nach neun Monaten zurück. So reduzierte sich der Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA um gut 14 Prozent auf 767 Millionen Franken und die entsprechende Marge um 5,2 Prozentpunkte auf 28,1 Prozent. Der Reingewinn sank gleichzeitig um gut 17 Prozent auf 541 Millionen Franken.

Die höheren Rohmaterial- und Energiepreise seien nicht vollständig kompensiert worden, heisst es dazu. Ausserdem hätten höhere Personalkosten und die Normalisierung des Kostenniveaus nach Covid die operativen Margen zusätzlich belastet.

Immerhin sei der Inflationsdruck im dritten Quartal beinahe ausgeglichen worden, allerdings hätten sich hier die geringeren Volumen sowie die normalisierten Kosten negativ auf die Marge ausgewirkt.

Prognose gesenkt

Der bisherige Ausblick auf das Gesamtjahr 2022 wird in der Folge gesenkt. Neu erwartet das Unternehmen ein Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Bereich, davor lautete die Erwartung noch "im hohen einstelligen Bereich". Die EBITDA-Marge soll auf rund 27 Prozent zu liegen kommen, die alte Prognose lag bei "rund 28 Prozent".

Die geopolitischen Risiken sowie die Unsicherheiten in Bezug auf die Pandemie würden einen Ausblick sehr schwierig machen. Die makroökonomischen Risiken seien aufgrund der rekordhohen Inflation und der höheren Zinsen gestiegen und wegen der verbesserten Situation in den Lieferketten sei ein weiterer Lagerabbau beim Grosshandel zu erwarten.

Die relevanten Rohmaterialpreise dürften sich allerdings im vierten Quartal gegenüber dem sehr hohen Niveau des dritten Quartals leicht rückläufig entwickeln und die Energiepreise im vierten Quartal unter den Rekordpreisen des dritten Quartals liegen.

(SDA)