Bargeld ist in der Schweiz auf dem Rückzug. Laut dem neusten «Swiss Payment Monitor» der Universität St. Gallen und der ZHAW ist es nur noch für etwa ein Viertel der Menschen die bevorzugte Zahlmethode. Und doch halten einige Betriebe am Bargeld fest. Die Gründe sind vielfältig, wie Beispiele aus der Gastronomie zeigen. Es geht um tiefere Kosten, eine einfachere Abwicklung, Datenschutz oder schlicht die Liebe zum Bargeld.
Bars: Total Bar und Drei Eidgenossen
Selbst im hippen Zürcher Ausgehviertel gibt es ein paar letzte «Bargeld-Bastionen», darunter die Total Bar. Auf deren Website heisst es: «Noch steht die Abschaffung des Bargelds nicht unmittelbar vor der Tür, doch die Möglichkeit, 'cash' zu bezahlen, wird still und leise nach und nach eingeschränkt.» Das sei etwa für Sans-Papiers ein Problem. Ausserdem hinterliessen elektronische Zahlungen Datenspuren. In einem Interview mit dem «Züritipp» betonte Betreiber Michel Monod vor einiger Zeit: «Wir haben keinen Bock auf Plastikgeld.» Zudem könne man mit Bargeld Gebühren für Zahlungsabwickler sparen, die man sonst an die Kundinnen und Kunden weitergeben müsste. Und weil die Bar zentral gelegen ist, könnten Kundinnen und Kunden gut einen Bankautomaten aufsuchen. Dazu darf man sich sogar ein Trottinett ausleihen. In Bern gilt die alternative Szenekneipe Drei Eidgenossen als Bargeldinstitution - und das seit 40 Jahren.
Restaurants: Tant Pis, Schiwago, Gasthof zum Widder und Seebeizli Lago Mio
In Restaurants ist es heute noch seltener als in Bars, auf «Cash only» zu stossen. Der türkische Familienbetrieb Tant Pis in Zürich hält allerdings seit gut 25 Jahren daran fest - nur bei Lunchchecks macht er eine Ausnahme. Auch das Zürcher Restaurant Schiwago gehört zur Bargeld-Fraktion. Dort werden laut Aussagen des Wirts vor allem jüngere Menschen von der Devise überrascht - doch der nächste Geldautomat liege nicht weit. In Winterthur wird in dem von einem Kollektiv geführten Gasthof zum Widder mit Bargeld bezahlt. Und auch das im Sommer geöffnete Seebeizli Lago Mio am Ufer des Walensees beharrt auf Münz und Nötli.
Cafés: Wühre und Leistkamm
Das kleine Frühstück zahlen manche Schweizerinnen und Schweizer noch mit Banknoten. Die allermeisten Cafés nehmen aber auch Karten- oder Handyzahlung an. Nicht so das Café Wühre in der Zürcher Innenstadt. Dafür erhält es auf Google schlechte Bewertungen: «Erst beim Bezahlen wurde uns gesagt, dass man nur bar zahlen könne», schreibt Nutzerin Elena Alizadeh. Ihre Bewertung: ein Stern. Auf Bargeld setzt auch das Café Leistkamm in der Wanderregion Amden Weesen in St. Gallen, wie es auf der Website deklariert. Dies «vor allem wegen der Geschwindigkeit», heisst es auf Anfrage. In der Hochsaison dauerten Kartenzahlungen im Selbstbedienungssystem länger als das Kassieren in bar. Die meisten Leute störe das nicht.
Take-Aways: Hasan's Sandwich und Libanes
Eine bekannte «Cash-Adresse» ist Hasan's Sandwich in Winterthur. Der Laden wird auch über die Stadt hinaus für seine Sandwiches gelobt. In Zürich pilgern viele zum Libanes Take-Away. Auch dort müssen die Schawarma-Spiesse und Falafel-Wraps mit Noten und Münzen bezahlt werden.
Eisdiele: Eisvogel
Die beliebten Glacé-Kugeln der Gelateria di Berna können schweizweit mit Karte oder Handy erworben werden. Beim Quartiereisladen Eisvogel in Zürich gilt jedoch die Devise «Cash only». Trotzdem bildet sich im Sommer täglich eine Schlange vor dem Lokal. Für das selbstgemachte Eis lohnt sich scheinbar auch der Gang zum Bancomaten.
Berghütte: Chamanna Cluozza
In Berghütten war es lange normal, nur bar bezahlen zu können. Mittlerweile bieten aber viele SAC-Hütten und Berggasthäuser auch Kartenzahlung an. Manchmal ist das jedoch nicht möglich, wie das Beispiel der Chamanna Cluozza zeigt. «Bezahlung bitte in bar», heisst es auf der Website der Bündner Hütte im Schweizerischen Nationalpark. Wegen fehlendem Datenempfang sei die Bezahlung mit Kreditkarte oder Twint nicht möglich.
Marktstände: Gasser Spargeln, Zangger Champignons und Basler Flammlachs
Lange galten Marktstände als Bargeld-Zone. Seit der Pandemie ist damit aber Schluss, wie Petra Mörgeli, Präsidentin der Vereinigung Zürcher Märkte, der Nachrichtenagentur AWP bestätigt. Vor allem die Einführung von Twint hat für viele Händlerinnen und Händler die Schwelle für elektronische Zahlungen gesenkt. Anderes gilt für die Spargelstände des Weinguts Gasser. Diese sind seit 2015 saisonal an Wochenmärkten in Zürich und Winterthur zu finden. Bruno Gasser, Teilhaber und Geschäftsführer, erklärt: «Der Grund ist das Tempo.» Seine Kundinnen und Kunden seien nicht bereit, für Spargelbunde lange anzustehen. «Wir haben nur eine Person am Stand. Wenn diese jede Twint-Zahlung einzeln kontrollieren muss, dauert es ein Vielfaches länger.» Ausserdem wären technische Pannen für den Umsatz fatal. Nur Bargeld akzeptieren etwa auch der Pilzstand von Werner Zangger am Schaffhauser Wochenmarkt sowie ein «Flammlachs»-Stand am Basler Weihnachtsmarkt.
