Trotz des schwierigen Marktumfeldes sieht sich die Grossbank UBS auf Kurs. «Nach einer guten ersten Jahreshälfte gehen wir weiterhin davon aus, dass wir unsere Ziele für das Kosten-Ertrags-Verhältnis und die Eigenkapitalrendite im Gesamtjahr erreichen werden», sagte Finanzchefin Sarah Youngwood am Dienstag auf einer Investorenkonferenz.

So peilt das Schweizer Institut unter anderem eine Rendite auf dem harten Kernkapital von 15 bis 18 (1. Halbjahr: 18,9) Prozent an. Nach dem Scheitern der Wealthfront-Übernahme soll das dabei gesparte Geld nun an die Aktionäre fliessen.

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Das von einer hohen Teuerung, schnellen Zinserhöhungen und sinkenden Notierungen an den Finanzmärkten gekennzeichnete Umfeld geht aber auch an der UBS nicht spurlos vorbei. «Die Kunden sind angesichts der Weltlage vorsichtig», sagte Youngwood. «Das schlägt sich in weniger Transaktionen und weniger wiederkehrenden Einnahmen nieder.»

Ordentliche Dividende von 0,55 Dollar je Aktie avisiert

Angesichts seiner starken Bilanz sieht sich das Schweizer Institut aber dennoch in einer guten Ausgangslage. Davon sollen auch die Aktionärinnen und Aktionäre profitieren. Für das laufende Jahr werde eine ordentliche Dividende von 0,55 Dollar je Aktie anvisiert. Dies entspreche einer Erhöhung um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zusätzlich gehe UBS davon aus, dass die Aktienrückkäufe 2022 das gesetzte Ziel von fünf Milliarden Dollar übersteigen dürften. Bis zum 9. September habe das Bankhaus im bisherigen Jahresverlauf eigene Aktien im Volumen von 4,1 Milliarden Dollar zurückgekauft.

Die UBS nannte keinen Grund für die höheren Ausschüttungen. «Wir nehmen an, dass diese Erhöhung mit dem freigewordenen Kapital aufgrund des Abbruchs der Wealthfront-Akquisition in Zusammenhang steht», erklärte ZKB-Analyst Michael Klien und sprach von einer überraschenden Ankündigung.

Mehr Wert in Aktien-Rückkauf als Zukauf

Anfang September hatte die UBS mitgeteilt, dass sie auf die 1,4 Milliarden Dollar schwere Übernahme der amerikanischen Wealthfront verzichtet. Stattdessen setzt der Konzern im Markt für wohlhabende, aber noch nicht reiche Kunden nun auf organisches Wachstum, wie Youngwood sagte.

Mit dem geplanten Kauf der US-Firma, die eine automatisierte Vermögensverwaltung anbietet, wollte der vor allem wegen seiner Digitalisierungs-Expertise geholte Konzernchef Ralph Hamers eine Duftmarke setzen.

Offenbar sehe das UBS-Management nun aber mehr Wert im Rückkauf eigener Aktien als in diesem teuren Zukauf, erklärte Jefferies-Analystin Flora Bocahut. An der Börse gewannen UBS 1,2 Prozent an Wert, während der europäische Bankensektor deutlich nachgab.

UBS profitiert von Vermögensverwaltung

Die grösste Schweizer Bank ist üppig mit Eigenmitteln ausgestattet. Zur Jahresmitte erreichte die UBS eine harte Kernkapitalquote (CET1) von 14,2 Prozent und übertraf damit die Zielvorgabe von rund 13 Prozent. Gleichzeitig fuhr die Bank erneut einen Milliardengewinn ein.

Die UBS profitiert davon, dass sie ihren Schwerpunkt schon vor rund zehn Jahren auf die Vermögensverwaltung gelegt hat und dort Weltmarktführerin ist. Rivalin Credit Suisse befindet sich dagegen in einem erneuten Konzernumbau, mit dem die Bank die Kosten senken und das riskante Investmentbanking eindampfen will.

Die UBS stellte auch für das kommende Jahr Aktienrückkäufe und eine steigende Dividende in Aussicht. Weitere Angaben zur Kapitalrückführung werde das Institut anlässlich der Ergebnispräsentation für das vierte Quartal machen.

(Reuters)