Der Bund reagiert auf die rasche Ausbreitung des Coronavirus in der Schweiz und hat 900 Beatmungsgeräte bei Hamilton Medical geordert. Die Auslieferung hat bereits begonnen, und wird in den nächsten Wochen mit hohem Tempo fortgesetzt, um Engpässe in Schweizer Spitälern zu vermeiden. 

Derzeit gibt es nämlich nur 1200 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten in der Schweiz. Das Medizintechnikunternehmen Hamilton Medical aus Graubünden hat nun vom Bund einen Grossauftrag erhalten. Die ersten 50 Geräte wurden bereits letzte Woche ausgeliefert – ein Teil davon wurde per Helikopter ins Tessin geflogen. Diese Woche seien weitere 200 Geräte zur Auslieferung geplant, teilt das Unternehmen mit.

Dazu fährt es die Produktion hoch, bis Ende April sollen 500 Geräte pro Woche hergestellt werden. Der Bund hat Transport-Intensivbeatmungsgeräte vom Typ Hamilton-T1 bestellt, die sich für den Einsatz innerhalb und ausserhalb von Intensivstationen eignen.

Andere Länder

Auch aus anderen Ländern erhält das Bündner Unternehmen Aufträge, denn in Zeiten der Corona-Krise sind Beatmungsgeräte Mangelware. Weltweit stocken die Hersteller ihre Kapazitäten auf. Das Bündner Unternehmen Hamilton Medical will die Produktion in diesem Jahr auf rund 21'000 ausweiten nach 15'000 Geräten im vergangenen Jahr. Dafür sollen auch Mitarbeiter aus dem Marketing in der Produktion mithelfen.

Die Beatmungsgeräte werden zunächst in die Länder geliefert, die sie am dringendsten benötigten, allen voran Italien, wie Hamilton-Chef Andreas Wieland sagt. In der vergangenen Woche wurden rund 400 Beatmungsgeräte von Hamilton nach Italien geschickt, eine weitere Auslieferung stehe kurz bevor.

Andere Länder müsse man zunächst vertrösten, sagt Wieland, weshalb er sich schon der Drohung, sein Unternehmen auf eine schwarze Liste zu setzen, ausgesetzt sah. «Wir versuchen, nicht in ein Land zu liefern, das praktisch noch nicht von dem Virus betroffen ist und sich nur vorbereiten will. Wir versuchen, die zu beliefern, wo die Not am grössten ist.»

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Milliardenmarkt

Wieland schätzt den weltweiten Markt für Beatmungsgeräte auf mehr als eine Milliarde Dollar jährlich, davon mache Hamilton rund ein Viertel aus. Weitere Hersteller sind etwa die Lübecker Drägerwerk, die schwedische Getinge und Beijing Aeonmed aus China.

Mit der Beschaffung zusätzlicher Geräte beim Bündner Unternehmen reagiert der Bund auf die Verbreitung des Coronavirus. Die Auslieferung hat bereits begonnen, und wird in den nächsten Wochen mit hohem Tempo fortgesetzt, um Engpässe in Schweizer Spitälern zu vermeiden. 

(mlo)