Die weltberühmten Einkaufsstrassen bereiten sich auf ein Weihnachtsgeschäft vor, wie man es noch nie erlebt hat.

Jetzt, wo die Corona-Pandemie in weiten Teilen der Erde nochmals um sich greift, wagen sich es viele Kunden kaum noch in ein Geschäft. Und die Reisebeschränkungen bremsen die Zahl der wohlhabenden Touristen, auf die man in den Shopping-Zonen normalerweise angewiesen ist, weil sie in dieser Jahreszeit Unmengen an Bargeld ausgeben.

Aber die Luxusgeschäfte geben sich weiterhin viel sozial distanzierte Mühe. Sie gestalten die Schaufenster mit Weihnachtsschmuck, um eine wichtige Saison zu retten, nachdem Covid-19 den Detailhandal von Tokio bis New York verwüstet hat.

Dazu ein Blick auf die prominenten Einkaufsachsen – jetzt, wo sich der «Black Friday» nähert.

Bond Street, London

«Um die Queen zu zitieren: 2020 wird sicherlich als 'annus horribilis' in Erinnerung bleiben», sagt Katie Thomas; sie ist stellvertretende Direktorin von Bond Street and Mayfair at the New West End, der Organisation der 600 Detailhändler, Gastronomen und Hoteliers in diesem Teil der Stadt.

Die Bond Street ist wegen ihrer Abhängigkeit von ausländischen Kunden besonders von der Krise betroffen, auch wegen den Rückgängen bei den Büroangestellten. Als neue Covid-Massnahmen dazu führten, dass die Geschäfte wieder schliessen mussten, waren die Besucherzahlen bereits um etwa die Hälfte gesunken. «Es ist der perfekte Sturm», sagt Thomas.

Die Geschäfte von Cartier bis Chanel warten nun nicht auf ihre Wiedereröffnung, um die die festliche Zeit einzuläuten: Die Weihnachtsbeleuchtung geht diesmal früher an als gewöhnlich. Und wenn der Handel am 3. Dezember wieder öffnen kann, wird der Weihnachtsbaum in der Bond Street mit den Klängen einer Blaskapelle enthüllt – minus dem weihnächtlichen Chor. Sollte es Schlangen vor den Läden geben, so wird den Kunden von den Angestellten heisse Schokolade serviert. 

Champs-Elysées, Paris

Die Verbreitung des Virus hat in Frankreich zu einem zweiten Lockdown geführt, «nicht notwendige» Geschäfte sind seit dem 30. Oktober zu.

«Wenn wir nicht am 1. Dezember wieder öffnen können, wird es äusserst ernst», sagt Edouard Lefebvre, der Leiter des Comité Champs-Elysees, welches etwa 100 Geschäfte rund um die Pariser Prachtstrasse repräsentiert. Trotz allem plant die Organisation, ihre Weihnachtslicht-Show auch dieses Jahr zu zeigen – aber sie wird virtuell sein.

Die Champs-Elysées sind seit mehreren Jahren mit Erschütterungen konfrontiert – Terroranschläge, Streiks, Krawalle nach Fussballspielen, Gewalt während der Gelbwesten-Proteste. Die anhaltenden Lockdowns könnten noch mehr Schmerzen nach sich ziehen.

Schenken statt treffen: Corona beflügelt das Weihnachtsgeschäft

Der Detailhandel wuchs im Krisenjahr schon bisher stark. Und auch das Weihnachtsgeschäft begann 2020 in der Schweiz sehr vielversprechend. Mehr hier.

Ginza, Tokio

Die Strassen von Ginza – einem der bekanntesten Einkaufsviertel von Tokio – wären jetzt normalerweise beleuchtet, die wichtigsten Geschäfte wären voll von Lichtern und Dekorationen. Ginza an Weihnachten war zum «Muss» für Touristen und Liebespaare geworden.

Aber dieses Jahr sind viele Geschäfte und Gebäude dunkel. Japan setzt immer noch enge Grenzen und lässt kaum Touristen ins Land, was bedeutet, dass nur ein Bruchteil des üblichen Shopping-Verkehrs nach Ginza zurückgekehrt ist.

Um etwas dagegen zu tun, plant der Verband der Ginza-Strasse Anfang Dezember einen «Hand-Wasch-Event» an der wichtigsten Kreuzung. Laut Eriko Takezawa, der Geschäftsführerin der Ginza-Detailhändler-Verbands, erhalten die Passanten ein Taschentuch und einen Einkaufsbon für die Geschäfte, wenn sie ihre Hände waschen. 

Ausserdem will man in Ginza noch mehr Beleuchtung installieren, in der Hoffnung, dadurch mehr Menschen anzuziehen.

Causeway Bay, Hongkong

Wenige Geschäftsleute wurden durch die Pandemie so hart getroffen wie die Ladenbesitzer von Hong Kong. Ein Spaziergang entlang der Hauptachse im Causeway Bay – Ort der teuersten Ladenmieten der Welt – zeigt die Folgen der sinkenden Umsätze im Detailhandel. Nach fast zwanzig Monaten mit Protesten und Covid-Einschränkungen finden sich geschlossene Shops mit Markenschildern wie Tissot, Prada und Victoria's Secret.

Die Hoffnung kehrt womöglich zurück durch Touristen, die langsam zurückkehren in die Stadt. Um den Reiseverkehr zu beleben, hat Hong Kong unlängst eine «travel bubble» mit Singapur eingerichtet: Die jeweiligen Besucher sollen nicht in Quarantäne müssen. Der Start war für diesen Sonntag vorgesehen, aber wegen steigender Covid-19-Zahlen haben die Behörden das Projekt um zwei Wochen verschoben.  

«Man hatte wieder das Gefühl, dass das Schlimmste überstanden sei und das Virus und die politische Lage sich beruhigt», sagte Amrita Banta, Direktorin der Luxusbranchen-Beratungsfirma Agility Research, vor der Verschiebung der «Reiseblase». «Die Stadt wäre bereit zur Wiedereröffnung.»

Fifth Avenue, New York

Die Fifth Avenue beherbergt immer noch zwei der glänzendsten Warenhäuser der Erde: Saks Fifth Avenue und Bergdorf Goodman. Aber die Zahl der berühmten Geschäfte schrumpft – Henri Bendel schloss sein über ein Jahrhundert altes Geschäft, Barneys New York wird liquidiert. Diverse Schaufenster bleiben dunkel, darunter der ehemalige Flagship-Store von Ralph Lauren.

Die Geschäfte an der Fifth Avenue stellen sich auf ein gedämpftes Weihnachtsgeschäft ein, mit wenigen oder gar keinen Touristen. Aber sie tun ihr Bestes, um festliche Stimmung zu schaffen, selbst jetzt, wo die Covid-Fallzahlen in New York wieder steigen. 

Wie üblich, gestalten Saks, Bergdorf und Boutiquen wie jene von Dolce & Gabbana und Louis Vuitton extravagante Festtags-Schaufenster. Eine Gruppe örtlicher Geschäfte wird überdimensionierte Spielzeuge installieren – Teddybären, Kreisel, Ballone.

Diese Vorbereitungen folgen auf einen sehr unbeständigen Sommer, als mehrere Geschäfte auf der Fifth Avenue bei den Protesten gegen den gewaltsamen Tod von George Floyd geplündert wurden. Und viele Geschäfte verrammelten ihre Schaufenster vor den Präsidentschaftswahlen, um sich vor möglichen Gewaltausbrüchen zu schützen. 

Jetzt haben die meisten begonnen, hinter dem Sperrholz hervorzuschauen – nachdem diese Befürchtungen nicht eingetreten sind. In der Hoffnung auf ein positives Ende eines turbulenten Jahres 2020.

(«Bloomberg» – rap)