Sie sind mit Henley einer der führenden Vermittler von «Golden Visa» und Staatsbürgerschaften. Welche EU-Länder sind bei Ihren Kunden besonders gefragt?
Sehr grosse Nachfrage besteht weiterhin für Portugal, aber auch Griechenland, Spanien und nunmehr Italien. Für direkte Staatsbürgerschaft ist nach wie vor Österreich und Malta top. Interessant in Europa ist auch Montenegro, das zwar noch nicht in der EU ist, aber das ist auch ein Vorteil.

Wieso ist das ein Vorteil?
Weil der Wert der Staatsbürgerschaft nur noch steigen kann.

Mr. Citizenship

Christian Kälin ist Präsident von Henley & Partners. Die Firma mit Niederlassungen weltweit ist Marktführerin beim Vermitteln von Staatsbürgerschaften und Aufenthaltsbewilligungen.

Kälin absolvierte eine Banklehre bei von Ernst. Später studierte der Zürcher Naturwissenschaften in Paris und Auckland und promovierte an der Uni Zürich in Recht. Vor ein paar Jahren zog er sich aufs Präsidium von Henley zurück. Er ist Teilhaber.

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In welchen EU-Staaten ist die Hürde für eine Niederlassungsbewilligung besonders niedrig?
Niederlassungsbewilligungen können Sie in den meisten EU-Staaten ohne grosse Hürden erhalten, da müssen Sie nicht mal investieren. Meist genügt einfach der Nachweis genügender Mittel. Oder Sie gründen eine kleine Firma. Diese Option steht in fast allen EU-Staaten offen, und wird leicht vergessen.

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Die EU-Staaten vergeben Hunderttausende von Aufenthaltsbewilligungen jedes Jahr. Sehr bequem sind aber natürlich die Investoren-Programme, auf die wir uns konzentrieren. Auf diesem Weg können Sie mit einem passiven Investment ohne weitere Verpflichtungen eine Aufenthaltsbewilligung erwerben.

Manche EU-Länder - etwa Malta - sind wegen ihrer freizügigen Vergabe von Staatsbürgerschaften innerhalb der EU unter Druck geraten. Ist es für Sie als Vermittler schwieriger als früher, Ihren Klienten zu solchen Dokumenten in der EU zu verhelfen?
Nein. Ausser dem gelegentlichen Medien-Hype, der leider oft zu vielen Falschinformationen zum Thema führt, die man dann wieder korrigieren muss, ist es nicht schwieriger. Eher im Gegenteil: Die Staaten haben erkannt, welchen grossen Nutzen diese Programme ihnen bringen, und damit ist der Trend ungebrochen.

Wird sich das Angebot sogar vergrössern?
Wir werden noch sehr viel mehr solche Programme sehen. Denn es geht hier um nur einige tausend, sehr gut qualifizierte neue Staatsbürger – im Gegensatz zu rund einer Million Staatsbürgerschaften, die die 27 EU-Staaten jedes Jahr vergeben, und dies weitgehend ohne genauere Überprüfung. Das steht also in keinem Verhältnis zum «Druck», den Sie erwähnen, und diese Fakten werden sich letzten Endes auch durchsetzen, denn sie sind eindeutig.

«Wir werden noch sehr viel mehr solche Programme sehen.»

Laut einer Studie der London School of Economics sind Golden Visa vor allem bei Chinesinnen und Russen beliebt. Deckt sich das mit Ihrer Erfahrung?
China ist der grösste Markt weltweit, und einige Programme haben in der Tat viele Chinesen als Antragsteller. Bei uns ist es etwas ausgewogener. Russland ist auch ein wesentlicher Markt, sicher für europäische Programme, aber nicht wichtiger als beispielsweise Südostasien, die USA, und der Mittlere Osten.

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Haben nur Reiche Zugang zu solchen Golden-Visa-Programmen?
Selbstverständlich müssen Sie etwas Vermögen haben, um sich ein Investment leisten zu können, beispielsweise eine Immobilie in Griechenland für 250'000 Euro. Aber während wir auch viele sehr reiche Familien betreuen, sind die meisten Klienten dem oberen Mittelstand zuzurechnen, die einfach ihre Lebensmöglichkeiten international diversifizieren wollen.

Im Übrigen gibt es eine grosse Zahl an noch viel einfacheren und günstigeren Optionen, eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. In vielen Ländern genügt der Nachweis, das lokale Minimaleinkommen zu erreichen. Dieses beträgt teilweise nicht mehr als 1000 Euro im Monat.

«Es gibt eine grosse Zahl an noch viel einfacheren und günstigeren Optionen, eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten.»

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Wie hat Covid-19 die Nachfrage verändert?
Letztes Jahr hatten wir ein echtes Problem, nicht wegen der Nachfrage, sondern weil fast alle Grenzen zu waren. Man konnte oft nicht einmal zum Notar gehen, um seinen Pass zu beglaubigen.

Die Nachfrage hat sich durch Covid aber vervielfacht, und dies weltweit, weil nun noch eine völlig neue Dimension zur üblichen Motivation von visumsfreiem Zugang, persönlicher Sicherheit und Diversifikation hinzugekommen ist: Nämlich die Sicherheit, Zugang zu guten medizinischen Dienstleistungen zu haben und das Recht, Grenzen zu passieren – auch in einer Pandemie, in der alles dicht gemacht wird.

Wir haben nun selbst wohlhabende Italiener oder Briten die sich sagen: «Den nächsten Lockdown will ich sicher nicht in Italien verbringen, sondern lieber in Malta, Österreich – oder der Schweiz!».

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Christian Kälin hat die Fragen schriftlich beantwortet.