Noch nie wurde so viel rund um den Globus gereist wie heute. Internationale Flugreisen boomten in den vergangenen Jahren, sowohl Privat- wie auch Geschäftsreisen. Der Ausbruch des Coronavirus in China könnte diesem Boom nun ein jähes Ende setzen.

Fluggesellschaften und Reiseveranstalter stehen vor einem Szenario, das bis vor kurzem undenkbar schien: Ein allgemeiner Rückgang der Reisenachfrage. Grosse Konferenzen und Messen werden reihenweise abgesagt. Viele Unternehmen wollen kein Risiko für ihre Mitarbeiter eingehen und streichen Geschäftsreisen.

New York für 360 Franken

Wer sich dennoch nicht vom Reisen abhalten lässt, kann von günstigen Preisen profitieren. Flug- und Hotelpreise sind teilweise stark gesunken. So können Kurzentschlossene beispielsweise am Montag für 590 Franken von Zürich nach Tokio fliegen, Mitte März für rund 360 Franken nach New York oder nach Sao Paolo für 490 Franken (Retourflüge).

Coronavirus und Reisen

Wie sich Vielflieger schützen können. Mehr hier.

So belastet das Coronavirus die Swiss. Mehr hier

Flüge nach Sydney sind Ende März ab 830 Franken zu haben, normalerweise kosten Tickets nach Down Under ab 1000 Franken aufwärts. Die passende Übernachtung ist auch günstiger als sonst. Denn auch Hotels senken aufgrund der ausbleibenden Gäste ihre Preise. Eine Nacht im Fünf-Sterne-Hotel in Sydney ist bis zu 30 Prozent günstiger: etwa 150 Franken im Hilton. In Tokioer Luxushotel Chinzanso übernachtet man nächste Woche für 320 statt 460 Franken.

Für diejenigen hingegen, die nicht verreisen wollen, wird es derzeit teuer. Denn das Schweizer Aussendepartement EDA hat bislang noch keine Reisewarnungen ausgesprochen. Wer seine Reise storniert oder umbucht, bekommt kein Geld zurück – auch von der Reiseversicherung nicht. 

(mlo)

Wie sich das Coronavirus verbreitet

Der weltweit erste Fall des Covid-19 wurde in der zweiten Dezemberhälfte 2019 in China bekannt. Das neue Covid-19-Virus trat erstmals in der zentralchinesischen Millionenstadt Wuhan in Erscheinung. Ende 2019 waren vier Fälle bekannt, am Donnerstag zählte man weltweit über 83'000 Infizierte. Dies, obwohl die Zahl der Flüge von und nach China drastisch eingeschränkt wurde. Das erste Opfer in Europa starb am 21. Februar in Norditalien.

Covid-19 gehört zur gleichen Erregergruppe wie das Sars- und Mers-Virus. Das neue Virus ist zwar deutlich ansteckender, die Sterberate ist jedoch deutlich tiefer als bei Sars und Mers.

Das grösste Risiko, an Covid-19 zu sterben, haben Menschen über 80 Jahre. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt die Mortalitätsrate in dieser Altersgruppe bei 14,8 Prozent. Patienten mit Herzkrankheiten sind besonders gefährdet, vor den Diabetikern und Personen mit Atemwegserkrankungen und hohem Blutdruck.

Ausserhalb der Provinz Wuhan ist laut WHO nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung von der Krankheit betroffen. Und dieser sehr kleine Teil hat eine Risiko von rund 2 Prozent, daran zu sterben. Bei den unter 39-Jährigen liegt das Sterberisiko bei 0,2 Prozent, darüber nimmt die Sterblichkeitsrate zu.

Vier von fünf von der Krankheit betroffene Patienten leiden an einer gutartigen Ausprägung, wie eine chinesische Studie an 72'000 Personen zeigte. 30'000 von über 80'000 Patienten sind bereits geheilt, wie aus Zahlen der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hervorgeht. Mindestens 2858 Personen sind am Covid-19-Virus gestorben.

Lunch Topics: Das läuft jetzt

Abonnieren Sie den Newsletter der «Handelszeitung»-Chefredaktion – und Sie haben die wichtigsten Business-News. Stets zur Mittagszeit. Kostenlos.