«Willkommen in unserem Kuschelzug!» Es ist kurz nach 21.00 Uhr, der Nachtzug hat soeben Berlin in Richtung Basel verlassen, der gut gelaunte Schaffner begrüsst via Sprechanlage die Gäste in den Schlafwagen. Etwas ungewöhnlich, zugegebenermassen. Und auch nicht ganz wahrheitsgetreu. Denn kuschelig ist er nicht, dieser Nightjet, der von der Deutschen Bahn ausrangierte Nachtzug, der seit Ende 2016 den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gehört. Aber «Willkommen in der Plastikbüchse» wäre wohl auch keine adäquate Begrüssung.

Es ist alles sehr eng, die Raumaufteilung ist immerhin funktional, die Farbgebung aber nicht mehr ganz zeitgemäss, alles macht einen etwas gar abgewetzten Eindruck. Doch diese vor gut dreissig Jahren konzipierten Schlafwagen sind die einzigen, die es überhaupt noch gibt. Nach der Jahrtausendwende wurde in Europa eine Nachtzugverbindung nach der anderen eingestellt, die Generation EasyJet stieg auf den Billigflieger um und die Bahnwelt aus dem Nachtzuggeschäft aus. 2016 fuhr der letzte Nachtzug ab Zürich nach Amsterdam, die Linien nach Barcelona und Rom wurden bereits 2012 respektive 2009 eingestellt, das Angebot zwischen Bern und Brüssel gar schon 2003.

Die Einzigen, die sich dem Trend widersetzten, waren die Österreicher. Sie weiteten in den letzten Jahren ihren Wirkungsradius gar aus, ab Januar 2020 fährt neu ein Nightjet zwischen Wien und Brüssel, ab nächstem Dezember einer zwischen Wien und Amsterdam sowie einer von Innsbruck via München nach Amsterdam. 2016 übernahmen sie von der Deutschen Bahn Rollmaterial und Strecken, darunter auch jene von der Schweiz aus, und etablierten Zürich – hinter Wien – als zweiten ÖBB-Hub (siehe auch «Ab nach Berlin, Wien oder Zagreb» unten).