Nicht nur Sportbegeisterte dürften sich freuen: Auf dem Gründenmoos-Areal in St. Gallen wird der Bau eines riesigen Sportzentrums mit nationaler Strahlkraft vorangetrieben, wie Blick von mehreren Quellen weiss. Auf dem Gelände sollen künftig Breitensportler, Profis und Nachwuchstalente modernste Trainingsmöglichkeiten vorfinden. Das Projekt für 150 Millionen Franken umfasst Trainingsflächen für diverse Sportarten – von Eishockey über Tennis bis Fussball.

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Interessant: Erst im letzten März haben die Behörden des Kantons und der Stadt St. Gallen ein Projekt um das Sportzentrum im Gründenmoos gestoppt. Der Entscheid war äusserst unpopulär. Die Schweiz ist ein Vereinsland und es fehlt vielerorts an Sportfeldern und Hallen – auch im Kanton St. Gallen.

Immobilienentwickler schaltet sich ein

Die Regierung begründete den damaligen Projektabbruch mit einem zu wenig fundierten Businessplan. Das Konzept zur Finanzierung und für den Betrieb sei nicht tragfähig. Das klingt durchaus plausibel: In der Schweiz gibt es zuhauf grosse Projekte, die die Steuerzahler dauerhaft viel Geld kosten. Beim Bau von Sportanlagen, Eventhallen oder Ausstellungen wird häufig mit einem viel zu optimistischen Businessplan gerechnet. Heisst: Am Ende müssen die Steuerzahler ein chronisches Defizit decken.

Jetzt die Wende: Ein privater Immobilienentwickler, die Admicasa-Gruppe, konnte die Amtsträger davon überzeugen, dem Mega-Projekt – auch Magglingen 2.0 genannt – neues Leben einzuhauchen. «Wir suchen nach Investitionsmöglichkeiten mit einer positiven Wirkung für die Bevölkerung», sagt der Verwaltungsratspräsident der Admicasa-Gruppe, Serge Aerne (46), auf Anfrage von Blick. Die Gruppe verfügt über eine eigene Finma-regulierte Fondsleitung.

Fonds soll Sportanlagen nachhaltig finanzieren

Die Admicasa hat mit Experten aus der Finanz-, Sport- und Immobilienwelt durchgerechnet, ob der Aufbau eines Immobilien-Sportfonds für alle Beteiligten ein Gewinn sein kann. Das Ziel war: Ein finanziell nachhaltiger Betrieb von modernen Sportanlagen mit einer vernünftigen Rendite für Investoren und für Vereine und Nachwuchssportler eine bezahlbare Infrastruktur. «Unsere Analysen haben gezeigt, dass dies möglich ist», sagt Aerne. «Auf dem Gründenmoos-Areal kann eine der grössten Sportanlagen der Schweiz entstehen, die auch wirtschaftlich funktioniert.»

Für einen nachhaltigen Betrieb müssen die Sporthallen auf dem Gründenmoos-Areal mehrere Nutzungen zulassen, damit sie nicht nur in den Abendstunden belegt sind. Weitere Einnahmequellen sollen sicherstellen, dass die Mieten für die Vereine bezahlbar sind. «Die können zum Beispiel aus dem Bereich Hotellerie und Gastronomie kommen», so Aerne.

Bekannte Sportler mit im Boot

Für den Beirat des geplanten Sportfonds konnten bekannte Grössen aus dem Sportmetier gewonnen werden: darunter der einstige Trainer von Roger Federer (44), Severin Lüthi (50), oder der Schweizer NHL-Star Timo Meier (29). «Es ist ein Leuchtturm-Projekt, das alle Facetten eines modernen Sportparks aufweist», sagt Meier zum Projekt.

Der Hockeyprofi sieht angesichts der wachsenden Bevölkerung und des erfreulichen Trends zu mehr Sportaktivität Handlungsbedarf: «Die Infrastruktur spielt eine zentrale Rolle im Sportbereich. Wenn wir uns nicht um sie kümmern, leidet der Sport – besonders im Nachwuchsbereich.»

Behörden sind noch etwas zurückhaltend

Zwischen der Admicasa und den Behörden haben bereits mehrere Gespräche stattgefunden. Bei den Behörden ist man in der Kommunikation noch zurückhaltend. Man sei «weiterhin an einer nachhaltigen Lösung für die künftige Nutzung des Gründenmoos interessiert», schreiben Kanton und Stadt in einer gemeinsamen Stellungnahme an Blick. Eine Zusammenarbeit mit privaten Investoren sei aktuell offen.

Nach dem Stopp im letzten März und Gesprächen mit den Vereinen habe man eine Strategie für den Ausbau von Sportanlagen an verschiedenen Standorten verfolgt, so die Behörden. Dann tauchte die Admicasa mit ihrer Idee auf. Beschlüsse seien noch keine gefasst worden, heisst es bei den Behörden. Ihre grosse Sorge ist offenbar, sich mit einem erneuten Projektstopp zu blamieren.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Blick.