Es ist eine Traumsaison. Und eine Saison der Rekorde. Die magischste aller Zahlen: 2042. So viele Punkte sammelte Marco Odermatt im Gesamtweltcup der nun zu Ende gegangenen Skisaison. Damit übertraf der Schweizer Skigott den «Jahrhundertrekord» von Hermann Maier – dank seines überragenden Siegs im Riesenslalom am Weltcupfinal im andorrischen Soldeu. 

Der österreichische Skiheld Maier hatte in der Saison 1999/2000 exakt 2000 Punkte im Gesamtweltcup gewonnen. Mit dem insgesamt 13. Saisonsieg  – mehr als jeder Schweizer bisher – knackte Odermatt nun diese eigentlich für unübertreffbar gehaltene Marke. Zudem sicherte sich der Schweizer neben der grossen Kristallkugel für den Gesamtweltcupsieg auch die kleinen Kristallkugeln in den Disziplinen Riesenslalom und Super-G.

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Das doppelte Duell mit der Überfliegerin aus den USA

Geschlechterübergreifend musste Odermatt aber eine (letztlich verschmerzbare) Niederlage einstecken im Duell mit der Saisondominatorin bei den Frauen: Mikaela Shiffrin. Die Allrounderin auf Skis besiegte ihren männlichen Konkurrenten im Rennen um den neuen Prämienrekord. Der Schweizer fuhr in diesem Winter ein Preisgeld von gut 941'200 Franken ein, die US-Amerikanerin überholte ihn mit dem Sieg im Slalom am Sonntag wieder und sammelte insgesamt 964'200 Franken. 

Mit dieser Summe setzte Shiffrin eine neue Bestmarke – und schlug ihren eigenen Rekord aus der Saison 2018/19, als sie mit ihren Erfolgen 886’386 Franken verdient hatte. Odermatt hält nun den Bestwert bei den Männern, indem er die von Marcel Hirscher eingefahrenen 669’681 Franken aus der Saison 2017/18 deutlich übertroffen hat.

United States' Mikaela Shiffrin smiles at the finish area of an alpine ski, women's World Cup super-g race, in Soldeu, Andorra, Thursday, March 16, 2023. (AP Photo/Alessandro Trovati)

Mikaela Shiffrin: Als Barilla-Gesicht häufig im Werbe-Duo mit Roger Federer.

Quelle: Keystone

Der direkte Vergleich mit früheren Jahren hinkt jedoch. In dieser Saison gibt es 10 Prozent mehr Preisgelder zu gewinnen. Aktuell bringt ein Weltcupsieg 50’000 Franken ein. Dabei handelt es sich allerdings um einen Bruttowert. Je nach Rennort fallen auf den Betrag noch bis zu 30 Prozent Steuern an.

Vom Schweizer Skiverband werden die hiesigen Athletinnen und Athleten ebenfalls entlohnt für ihre sportlichen Erfolge. Für Podestplätze in einzelnen Rennen sowie für Erfolge in den Disziplinenwertungen erhalten Marco Odermatt, Lara Gut-Behrami und Co. eine hohe sechsstellige Summe. Die genauen Zahlen kommuniziert Swiss Ski im Gegensatz zum Weltverband FIS nicht. Konkret heisst das für Odermatt: Mit seiner Traumsaison kommt er selbst unter dem Strich locker auf über 1 Million Franken an Preisgeldern.

In zweiter Saison als roter Bulle unterwegs

Die Erfolgsprämien sind jedoch nur eines von drei Standbeinen des umsichtigen Skiprofis. Mit seinen Sponsoring- und Ausrüsterverträgen setzt er mittlerweile jedes Jahr Einkünfte im siebenstelligen Bereich um. Die Rede ist von rund 3 Millionen Franken jährlich. In seinem Sponsoring-Portfolio hat Odermatt aktuell zwanzig Partner. Dazu zählen die zwei Verbandssponsoren Sunrise und Raiffeisen, mit denen der Skifahrer Individualverträge abgeschlossen hat.

Hauptsponsor ist seit letzter Saison Red Bull, was in der Sportwelt einem Ritterschlag gleichkommt. Keine andere Marke hat im Einzelsport ein ähnliches Standing wie der österreichische Energy-Drink-Hersteller. Gerade im Skisport hat der Brauseproduzent ein starkes Netzwerk. Schliesslich vertritt er viele andere Top-Shots wie Shiffrin und Dominik Paris sowie die früheren Stars Hirscher und Lindsey Vonn. Braucht «Odi» eine Piste für ein spontanes Training oder kurzfristig einen Privatflug, kein Problem: Red Bull hat die Kontakte. Zudem ist der erste Schweizer Red-Bull-Skifahrer nun Teil der fein geölten Sportvermarktungsmaschinerie der Österreicher, die ihn als globale Marke pushen kann. 

Der Schweizer Skirennfahrer Marco Odermatt, links, und sein Manager Michael Schiendorfer, rechts, an einer Medienkonferenz beim Schweizer Skihersteller Stoeckli Ski in Malters im Kanton Luzern am Dienstag, 22. Maerz 2022. Odermatt ist seit Jahren beim Schweizer Skihersteller Stoeckli unter Vertrag. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Eingespieltes Duo: Marco Odermatt und sein Manager Michael Schiendorfer an einer Medienkonferenz beim Ausrüster Stöckli im März 2022.

Quelle: Keystone

Wobei: Odermatt geht es beim Sponsoring nicht um die Maximierung der Einnahmen. Zu vielen Partnern pflegt er eine jahrelange Beziehung. Da haben in seinem Portfolio auch kleinere Player Platz, weil der Skistar diesen trotz seinem enorm gestiegenen Marktwert weiterhin faire Konditionen gewährt. So zählt zu seinen Sponsoren seit Jahren die in Odermatts Geburts- und Wohnort Buochs NW beheimatete Firma Alpinlift Helikopter AG, die zu Ehren des Skirennfahrers einen Helikopter mit dessen Konterfei gebrandet hat.

Für die Vermarktung von Odermatt ist Manager Michael Schiendorfer zuständig, der weitere Schweizer Sportgrössen wie Mehrkämpfer Simon Ehammer und Schwingerkönig Joel Wicki vertritt. Seine Strategie: der richtige Mix aus internationalen Brands, nationalen Marken und lokalen Firmen. «Wer nur dem Geld hinterherrennt, macht einen grossen Fehler», sagte der St. Galler Schiendorfer kürzlich den Titeln von «CH Media». Das gemeinsame Ziel von ihm und seinem Kunden sei von Anfang an gewesen, die Marke Odermatt wie ein stabiles Haus aufzubauen. Das Konstrukt halte dann auch gewissem Gegenwind stand, etwa wenn sich der Skirennfahrer mal verletzen sollte. 

Lange Partnerschaft mit Schweizer Skimarke

Auf langjährige Partnerschaften baute Odermatt auch bei den Ausrüstern. Er fährt nicht etwa mit Skis von einer der zwei Megamarken Atomic und Head, sondern vertraut auf das Schweizer Know-how von Stöckli, und zwar bereits seit 2010. Der Luzerner Skibauer ist das Paradebeispiel dafür, wie wichtig die Ausrüsterverträge als drittes Standbein für den Olympiasieger und mehrfachen WM-Goldmedaillengewinner sind. Stöckli beliefert Odermatt mit über 50 Skis pro Saison und unterstützt diesen bei den Rennen vor Ort mit Manpower. 

Sachwertleistungen bekommt Odermatt auch von seinen Ausrüstern Salomon (Skischuhe), Reusch (Handschuhe) und dem schwedischen Sportartikelhersteller POC (Helm und Brille). Ausserdem hat er seit drei Jahren einen Individualvertrag mit dem japanischen Bekleidungsausrüster Descente. 

All seine Einkünfte bündelt Odermatt in seiner Ende 2018 gegründeten Firma MO Snow AG mit Sitz in Buochs. Bei dieser ist er angestellt und bekommt von ihr für seine Arbeit ein monatliches Gehalt ausbezahlt. «Odi» kann also das aktuell reichlich fliessende Geld nicht einfach verprassen. Das entspräche aber erstens auch nicht dem Naturell des bedachten Athleten. Und zweitens könnte Vater Walter Odermatt sein Veto einlegen. Dieser ist Verwaltungsratspräsident der MO Snow AG.