Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter hat laut eigenen Aussagen keine Angst vor einem möglichen Prozess im Fall einer verdächtigen Zahlung an den einstigen Uefa-Präsidenten Michel Platini. Er wäre aber «noch nicht bereit», physisch an einer Verhandlung zu erscheinen.

«Ich habe keine Angst vor einem Prozess», sagte der ehemalige Präsident des Weltfussballverbands Fifa der Westschweizer Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche». Körperlich wäre er aber «im Moment nicht in der Lage, einen Prozess zu führen».

Nach Herzoperation angeschlagen

Ob die Schweizer Bundesanwaltschaft in dem Fall überhaupt Anklage erhebt, war zunächst unklar. Sie hatte den 85-jährigen Blatter im August zur Sache vernommen, Platini bereits im März. Blatters Anhörung hatte sich aufgrund seines Gesundheitszustands um mehrere Monate verzögert. Er ist nach einer Herzoperation angeschlagen.

Blatter wird verdächtigt, Platini mit einer Zahlung über zwei Millionen Franken unrechtmässig bereichert zu haben. Blatter wie auch Platini werden des Betrugs verdächtigt, Blatter zusätzlich der Veruntreuung und der ungetreuen Geschäftsbesorgung und Platini der Teilnahme an Veruntreuung und an ungetreuer Geschäftsbesorgung sowie der Urkundenfälschung.

Blatter und Platini wiesen die Vorwürfe stets zurück. Sie selber sagen, die Zahlung der Fifa an Platini habe auf einem mündlichen Vertrag basiert. Damit sei dessen Beratertätigkeit für die Fifa zwischen 1998 und 2002 geregelt worden.

Ermittler vermuten Bestechung

Die beiden galten vor Jahren als Rivalen um die Fifa-Spitze. Laut Medienberichten vermuten die Schweizer Ermittler, dass die zwei Millionen Franken an Platini gezahlt wurden, damit dieser nicht gegen Blatter für das Fifa-Präsidium kandidiere. Wegen der Zahlung hatte die Ethikkommission der Fifa Blatter und Platini 2015 suspendiert. Platini wurde danach für acht und Blatter für sechs Jahre für alle Tätigkeiten im Fussball gesperrt.