Die Arzneiaufsicht Swissmedic hat das antivirale Gilead Medikament Remdesivir für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit COVID-19 befristet zugelassen. Konkret soll das Mittel bei Patienten eingesetzt werden, die aufgrund einer Pneumonie eine zusätzliche Sauerstoffzufuhr benötigen. 

Remdesivir wird in der Schweiz unter dem Markennamen Veklury angeboten. Es ist damit die erste zugelassene Covid-19-Behandlung in der Schweiz und wird nun via SwissDRG mit Fallpauschalen und Zusatzentgelt rückvergütet.

Bemerkenswert ist der Entscheid aus Bern, weil die WHO erst in der Vorwoche befunden hatte, dass Remdesivir keine Wirkung zeige – und sich gegen einen Einsatz bei Covid-19-Behandlungen in den Spitälern aussprach. 

Aber auch in Deutschland widersprachen dem bereits mehrere medizinische Fachgesellschaften: Die deutschen Intensiv- und Notfallmediziner sowie Pneumologen wollen das Gilead-Medikament zunächst weiter zur Behandlung bestimmter Corona-Patienten einsetzen. 

«Bei hospitalisierten, nicht beatmeten Patienten mit Covid-19 Pneumonie und Sauerstoffbedarf kann eine Therapie mit Remdesivir erfolgen», hiess es in der Empfehlung.

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Kürzere Behandlung = entlastetes Gesundheitswesen

«Allerdings ist das eine ganz schwache Empfehlung», sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), zur Nachrichtenagentur «Reuters». Es bleibe den Ärzten freigestellt, ob sie das Mittel der US-Firma verwenden wollen, das ursprünglich gegen eine Ebola-Erkrankung entwickelt wurde.

In einer Doppelblind-Studie mit 1'062 Patienten – so die Argumentation von Gilead – verkürzte Veklury beziehungsweise Remdesivir die Zeit bis zur Genesung bei hospitalisierten COVID-19-Patienten «signifikant um fünf Tage (10 Tage unter Veklury® vs. 15 Tage unter Placebo)».

«Die befristete Zulassung durch Swissmedic stellt einen weiteren wichtigen Schritt vorwärts dar, eine wirksame und verträgliche Behandlung anzubieten, die den Patienten zu einer schnelleren Genesung verhelfen kann», sagt Christophe Griolet, der General Manager von Gilead Schweiz. Dies trage dazu bei, knappe Gesundheitsressourcen zu schonen.

(rap)