Sainte-Croix, 650 Meter über Yverdon-les-Bains im Jura gelegen, spielt in der Schweizer Uhrenindustrie eine besondere Rolle. Hier findet man zwar keine Uhrenfabrik, dafür umso mehr aussergewöhnliche Spezialisten der Feinmechanik. Kein Wunder, denn an diesem Ort befanden sich im 19. Jahrhundert etliche Hersteller mechanischer Spieldosen, die nicht nur Musik ab Nagelwalzen spielten, sondern oft auch mit Automaten ausgestattet waren, wie zum Beispiel winzigen Singvögeln, die auf Kommando zwitscherten und mit den Flügeln schlugen.

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Aus solchen Unternehmen entstanden im 20. Jahrhundert der Plattenspielerhersteller Thorens und die Filmkameramarke Bolex. Der Geist der Mikromechanik und der Automaten lebt bis heute weiter: Es gibt Automatenbauer, Spieldosenhersteller, Uhrmacher und Zifferblattspezialisten. Zu Letzteren gehören Sylvie Villa und Mark Miehlbradt, die 2016 beschlossen, sich mit einem besonderen Projekt selbstständig zu machen: Sie hatten aus zweiter Hand zwei Maschinen erstanden, die ursprünglich dazu konzipiert waren, elektronische Bauteile auf Platinen mit 25 Mikron dünnen Goldfäden zu verbinden. Fasziniert von der Optik dieser Verbindungen, die Bruchteile von Millimetern über der Oberfläche einer elektronischen Schaltung hauchfeine, aber stabile Brücken schlagen und aussehen, als seien sie gestickt, entstand die Idee, diese zweckgebundene Technologie für Ästhetisches zu adaptieren.

Auf dem Zifferblatt der Uhr Fil d’Or von Louis Erard kommt die aussergewöhnliche Technik besonders gut zur Geltung: Das geometrische Muster, das einander durchdringende Würfel darstellt, sieht aus, als wäre es gestickt. Golden schimmernde parallele Linien imitieren Schraffuren in unterschiedlichen Richtungen und verleihen den Würfeln Dreidimensionalität. Zu einem Teil ist diese auch dem Umstand geschuldet, dass sich die Drähte tatsächlich deutlich über das schwarze Zifferblatt erheben. Anders als bei einer Stickerei verlaufen auf der Rückseite des Zifferblatts jedoch keine Goldfäden. Jedes einzelne Fadenstückchen ist an seinen beiden Enden mit dem Zifferblatt auf einem hundert Mikron kleinen Punkt verschweisst.

<p>Ein geometrisches Muster aus feinen Golddrähten im Stil des niederländischen Künstlers Maurits Cornelis Escher ziert das Zifferblatt der Uhr Fil d’Or von Louis Erard.</p>

Ein geometrisches Muster aus feinen Golddrähten im Stil des niederländischen Künstlers Maurits Cornelis Escher ziert das Zifferblatt der Uhr Fil d’Or von Louis Erard.

Quelle: ZVG

Diese minutiöse Arbeit zu bewerkstelligen, ist Aufgabe der Maschine. Bis sie loslegen kann, ist es allerdings ein weiter Weg: Sylvie Villa verbringt manchmal Tage damit, das gewünschte Bild, das auch ein Foto sein kann, für die Darstellung mit Golddraht zu übersetzen. Darauf folgt die Programmierung der Maschine, später entstehen unzählige Prototypen, bis das Resultat restlos überzeugt.