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Marcel Salathe, Spezialist für künstliche Intelligenz und Leiter des Labors für Digitale Epidemiologie an der EPFL.
Quelle: Sébastien Agnetti / 13 Photo

PersonMarcel Salathé

Der Basler hat 2020 eine Blitzkarriere hingelegt, ist innerhalb nur weniger Monate zum wohl berühmtesten Wissenschaftler der Schweiz aufgestiegen: Marcel Salathé (44), Epidemiologe, seit 2015 Professor an der EPFL und Chef des Labors für digitale Epidemiologie, kurz «Salathé Lab» genannt. Nur gerade 17 mal wurde er gemäss der Schweizerischen Mediendatenbank 2019 erwähnt, heuer kommt er aufgrund der Corona-Krise schon jetzt auf rund 2300 Einträge. Salathé hat sich schon früh via Twitter in die Diskussion eingemischt, warnte vor der Pandemie, kritisierte die zögerlichen Behörden und den Bundesrat und war fortan Dauergast in allen Medien. «In diesen Wochen ist mein Vertrauen in die Politik erschüttert», twitterte er etwa im März.

Die Politik im Gegenzug scheint ihm weiterhin zu vertrauen: Salathé gehörte von Anfang an zur wissenschaftlichen Taskforce des Bundes und plädierte dort immer wieder dafür, im Kampf gegen die Pandemie zum klassischen, analogen Contact Tracing eine digitale Ergänzung aufzubauen: eine App. Und so hat er denn zusammen mit einem Team aus mehrheitlich EPFL-Kollegen und Kolleginnen das Protokoll entwickelt, das letztlich Google und Apple überzeugt hat und auf dem die SwissCovid-App basiert – und auf dem nun nach und nach auch die Apps der anderen Länder aufgebaut werden. Bis anhin hat rund ein Viertel der hiesigen Bevölkerung die Swiss-Covid-App heruntergeladen. Das sind weit weniger Downloads als von den Behörden erhofft, aber klar mehr als in den benachbarten Staaten. Salathé spricht denn auch von einem Erfolg, bis heute sei keine andere App in so kurzer Zeit so oft heruntergeladen worden. In naher Zukunft sollte der App-Gebrauch auch länderübergreifend funktionieren, sagt Salathé. Technisch sei dies kein grosses Problem. Zuvor müssen sich die Länder aber noch politisch einigen.

Salathé sieht sich selbst als Brückenbauer zwischen seiner Kerndisziplin, der Epidemiologie, und den Computerwissenschaften. «Ich stehe mit je einem Fuss in beiden Welten.» So hat er etwa auch 2016 die EPFL Extension School mitgegründet, die er heute noch leitet und die bis anhin 
über 1000 Personen digitale Skills vermittelt hat.
 

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