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Thierry Amsallem posiert in der Ausstellung "Montreux. Jazz seit 1967" im Landesmuseum in Zuerich, aufgenommen am Donnerstag, 18. Januar 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Quelle: Keystone

PersonThierry Amsallem

Thierry Amsallem (56) war schon digital, als viele noch nicht wussten, wofür die Abkürzung «www» steht. 1993 hat er zum Amüsement vieler als einer der ersten Musikveranstalter Tickets fürs Montreux Jazz Festival im Internet verkauft. Ganze 150 waren es. Inzwischen lacht keiner mehr. Heute dirigiert der langjährige Lebenspartner des 2013 nach einem Sturz beim Langlauf verstorbenen Claude Nobs von Caux aus eines der aufregendsten und spektakulärsten digitalen Memorierungsprojekte im Kulturbereich. Es geht darum, das weltweit bedeutendste Gedächtnis für Jazz, Blues und Rock digital zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. 4000 Live-Aufnahmen mit 20 000 Künstlern und Künstlerinnen, darunter Titanen der Musikgeschichte wie David Bowie, Johnny Cash, Tracy Chapman, Ray Charles, Ella Fitzgerald, Aretha Franklin, Herbie Hancock und Neil Young. 

Daten im Umfang von 15 Millionen Gigabyte – das entspricht der Speicherkapazität von mehr als 20 Millionen CDs – sind zusammengekommen, seit Claude Nobs, Buchhalter des Tourismusbüros von Montreux, 1967 mit Freunden und einem Budget von gerade mal 5000 Franken seinen ersten «Montreux Jazz» auf die Beine stellte. Fünfzehn Mal hat die Aufnahmetechnik in all der Zeit gewechselt; doch inzwischen sei alles digitalisiert, der Boden für eine Konservierung des einzigartigen musikalischen Schatzes geebnet, sagt Thierry Amsallem.

Nun sucht der Digitalpionier «avant la lettre» nach einer Möglichkeit, das beispiellose audio-visuelle Erbe für künftige Generationen zu sichern – als Fundus für Musikwissenschaftler, Akustiker, Datenspezialisten, Museologen und Neurowissenschaftler. Unterstützung kommt vom Luxus-Uhrmacher Audemars Piguet, Western Digital, Logitech und der ETH Lausanne. Gesucht sind Speichermethoden, die wenn möglich auf immer funktionieren und deutlich weniger kostspielig sind als die drei Montreux-Jazz-Server, bei denen alljährlich Energiekosten von 30 000 bis 40 000 Franken anfallen. Eben erst sei es gelungen, zwei Musikstücke auf einer synthetischen DNA zu speichern, sagt Thierry Amsallem. In Caux – dem magischen Ort hoch über dem Genfersee, von dem Quincy Jones einmal gesagt haben soll, hier müsste eigentlich Gott wohnen – wird nicht mehr nur Musik, sondern auch Technologiegeschichte geschrieben. 
 

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