Die Business-Idee

Rund um die Uhr in einem autonom funktionierenden Supermarkt Milch, Eier, WC-Papier und andere Dinge des täglichen Bedarfs kaufen können – das soll in der Schweiz selbst in abgelegenen Regionen bald keine Zukunftsvision mehr sein. Das Berner Startup AI Retailer Systems (AIRS) tüftelt zurzeit an Technologielösungen, die von Detailhändlern jeder Grösse genutzt werden könnten: «Deckenkameras und Sensoren folgen dem Kunden durch den Laden und erfassen aus der Vogelperspektive, welche Produkte das Regal verlassen und im Warenkorb landen», erklärt Produkt- und Betriebsleiter Maran Pereirasamy. «Verlässt der Kunde den Laden, wird automatisch die beim Check-in angegebene Kredit- oder Debitkarte belastet – und fertig ist der Einkauf.» Ladendiebstahl sei dadurch ausgeschlossen.

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Die Gründer

Das Jungunternehmen ist ein Spin-off der ETH Zürich. CEO und Gründer Alejandro Garcia hatte 2018 die Idee. Angetrieben von der Frage, warum selbstfahrenden Autos bereits Realität sind, man für Milch oder andere Alltagsprodukte am Wochenende aber teilweise Dutzende Kilometer fahren muss, packte er das Thema an. Im Oktober 2019 gründete er eine AG. Acht Mitarbeitende, darunter COO Maran Pereirasamy, Head of Computer Vision Roland Mörzinger und Softwareleiter Alexander Popovic, entwickeln mittlerweile die Technologie weiter und führen auch bereits Gespräche mit Einzelhändlern in der Schweiz, um erste Ladengeschäfte gemeinsam zu realisieren.

Der Markt

Lebensmittelautomaten, Selbstbedienungskassen oder Handgeräte zum Selberscannen sind die Vorläufer autonomer Supermärkte. Immer mehr Einzelhändler weltweit testen Tech-Lösungen, die das Einkaufen effizienter machen. Zu den grössten und bekanntesten Konkurrenten von AIRS gehören Amazon Go in den USA und Bingobox in China. Lästige Warteschlangen gehören bei den neuartigen Konzepten der Vergangenheit an. Ausserdem sollen bei Bingobox laut eigenen Angaben vier Menschen bis zu vierzig Läden betreuen – das senkt Kosten.

Auch bei AIRS müssen nur noch wenige Angestellte Regale einräumen und Produkte nett arrangieren. Speziell für kleine Shops prognostiziert CEO Garcia Personaleinsparungen von bis zu 80 Prozent. «Unser Konzept steigert nicht nur die Effizienz von Einzelhändlern und bietet speziell in ländlichen Gegenden einen 24/7-Service für die Kundschaft», sagt  Pereirasamy, «Detailhändler erhalten auch wertvolle Daten über das Kaufverhalten ihrer Kundinnen und Kunden und können schneller und aussagekräftiger Sortimentneuheiten testen.»

upbeat - die Schweizer Startup-Serie

Unsere Startup-Serie «upbeat» porträtiert jede Woche ein Schweizer Jungunternehmen multimedial in Print, Audio und Video. Daneben kommen die wichtigsten Investoren und Akteure der Innvoationsszene zu Wort. Bleiben Sie dran, im Format Ihrer Wahl: Text, Bild und unterhaltsame Videos finden sie jede Woche auf handelszeitung.ch/upbeat oder in den sozialen Netzwerken. Den Podcast, mit vielen Tipps für Menschen, die selber in der Startupwelt durchstarten möchten, finden Sie auf Apple Podcasts und Spotify – und überall da, wo Podcasts zu Hause sind.

Das Kapital

Eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde konnten die Gründer bereits abschliessen. 40’000 Franken kamen ausserdem durch Venture Kick in die Startup-Kasse. Bis Ende des ersten Quartals 2022 ist eine weitere Finanzierungsrunde geplant, um Personal aufzustocken und kräftig zu wachsen. «Bis Ende 2023 möchten wir in der Schweiz bereits einige Shops mit grossen Einzelhändlern eröffnet haben», sagt Maran Pereirasamy. «Danach wollen wir in der DACH-Region und später in ganz Europa expandieren.» Um diese Ziele zu erreichen, setzen die Gründer von Beginn an auf Detailhandelsketten, die auch in Deutschland und Österreich aktiv sind.

Die Chance

«Momentan sind wir in der Schweiz führend und weiter als Konkurrenten», ist Pereirasamy sicher. «Unsere enge Verbindung zur ETH und zu vielen klugen Köpfen, welche die ETH besucht haben, verschafft uns die Chance, eine nachhaltige und kosteneffiziente Lösung bis zur Marktreife zu entwickeln.» Weil aber zahlreiche Unternehmen und auch renommierte Grosskonzerne auf dem Vormarsch sind, gilt es abzuwarten, wer sich zuerst erfolgreich auf dem Markt etablieren wird.

Die Startup-Serie «upbeat» wird Ihnen von der Credit Suisse präsentiert.