Die Business-Idee

23 Tonnen Sperrgut landen laut SRF Tag für Tag alleine auf dem Recyclinghof Hagenholz in Zürich. Der Grund heisst «Fast Furniture» (deutsch: schnelle Möbel) und beschreibt den Trend in der Einrichtungsbranche, immer billiger, kurzlebiger und auf Masse zu produzieren. «Nachhaltig ist das ganz und gar nicht», sagt Carlo Badini. Mit seinem Startup Pabio will er hochwertige Designer-Möbelstücke für jeden zugänglich machen: «Bei uns bekommt man nicht nur Interior-Design-Beratung, sondern kann die vorgeschlagenen Einrichtungsgegenstände auch gleich für 12 bis 48 Monate mieten», sagt er. Auf seiner Plattform muss man einfach ein paar Fragen zu Geschmack und Zweck beantworten, einen Grundriss und Fotos der Wohnung hochladen und schon kurze Zeit später bekommen Interessierte einen 3D-Modell-Vorschlag des eingerichteten Daheims. Innerhalb von drei Wochen werden die Möbel von einem Partnerunternehmen geliefert, aufgebaut und das «Wohnen wie im Katalog» kann beginnen.

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Die Gründer

Carlo Badini hat bereits zu Schulzeiten Imagefilme zu drehen begonnen, direkt nach der Matura 2014 hat er sein erstes eigenes Unternehmen gegründet: Die Cleverclip GmbH, eine Designagentur, die Erklärvideos und Webdesign anbietet und weiterhin existiert. «Als wir vor rund drei Jahren selbst gezügelt sind und eine Interior-Design-Beratung in Anspruch nahmen, kam mir die Idee zu Pabio», sagt er. Denn: Mit den rund 2000 Franken für die Beratung war die neue Wohnung längst nicht eingerichtet. Die neuen Möbelstücke hätten rund 30’000 bis 40’000 Franken gekostet. «Da wusste ich: Ich will gutes Wohnen demokratisieren – jeder soll schön wohnen können, auch ohne riesige Anfangsinvestition», sagt er. Er baute Kontakte zu Möbeldesignerinnen und -designern in ganz Europa auf und gründete im Mai 2020 die Koj AG.

Der Markt

Möbel zu mieten statt zu kaufen, ist ein Trend, der in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Im Sinne der Nachhaltigkeit schauen immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten genauer hin und erkennen: Billigmöbel werden oft auf Kosten der Umwelt produziert, Ur- und Naturwälder, etwa in Russland und Rumänien, werden illegal abgeholzt – und bis zu 6500 verschiedene Chemikalien werden bei der kostengünstigen Veredelung verwendet. Unter anderem haben auch grosse Player wie Ikea und der Baarer Online-Händler Beliani das Mietkonzept bereits getestet. «Es gibt Wettbewerber, aber meines Wissens kombiniert keiner die individuelle Interior-Design-Beratung mit der Möbelmiete», sagt Badini.

«upbeat» – die Schweizer Startup-Serie

Unsere Startup-Serie «upbeat» porträtiert jede Woche ein Schweizer Jungunternehmen multimedial in Print, Audio und Video. Daneben kommen die wichtigsten Investoren und Akteure der Innovationsszene zu Wort. Bleiben Sie dran, im Format Ihrer Wahl: Text, Bild und unterhaltsame Videos finden Sie jede Woche auf handelszeitung.ch/upbeat oder in den sozialen Netzwerken. Den Podcast, mit vielen Tipps für Menschen, die selber in der Startup-Welt durchstarten möchten, finden Sie auf Apple Podcasts und Spotify – und überall da, wo Podcasts zu Hause sind.

Das Kapital

Bei Pabio sind alle Möbelstücke vollkaskoversichert. Wer das Interieur liebgewonnen hat, hat die Möglichkeit, es im Anschluss an die Mietdauer zu kaufen. Zwei Finanzierungsrunden, unter anderem auch mit US-Investoren, konnte das Jungunternehmen bereits abschliessen. «Ein Investor unterstützt uns auch bei der Vorfinanzierung der Möbelstücke», erklärt der Gründer und Geschäftsführer.

Die Chance

Zusätzlich zum Privatkunden bietet Pabio auch Arbeitsplatz-Gestaltung samt Mietkonzept für B2B-Kunden an. Mittlerweile bietet Pabio seine Dienstleistungen nicht mehr nur in der Schweiz an: «Anfang des Jahres sind wir in Berlin gestartet, München und Stuttgart werden zurzeit ausgerollt», so Badini. Das Spannende: «Jeder Markt ist eine neue Herausforderung, zum Beispiel gibt es in Berlin sehr viel mehr vormöblierte Wohnungen auf dem Markt als andernorts – damit hatten wir nicht gerechnet.» Logistik, Lagerung und Automatisierung der Prozesse sind aktuell zudem Challenges, denen sich die Jungunternehmer stellen müssen.

Die Startup-Serie «upbeat» wird Ihnen von der Credit Suisse präsentiert.