Die Arbeit in Katar wird nicht von den Einheimischen gemacht. Die rund 250'000 Menschen mit katarischer Staatsangehörigkeit machen nur einen kleinen Teil der Gesamtbevölkerung aus. Etwa 1,4 Millionen Gastarbeiter, vorwiegend aus Süd- und Südostasien, übernehmen alle Jobs, die den Wüstensöhnen unangenehm sind. Dazu gehören zur Zeit insbesondere die Arbeiten auf den Grossbaustellen zur Fussball-WM 2022. Schätzungsweise 500'000 Arbeiter sollen insgesamt für den Bau der 140-Milliarden Dollar teuren Infrastruktur eingesetzt werden.

Dass es mit den Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen nicht ums Beste bestellt ist, ist bereits hinlänglich bekannt. Die Zahl von 1200 Toten in drei Jahren lässt trotzdem aufhorchen. Der internationale Gewerkschaftsbund (ITUC) schätzt, dass bis zum Anpfiff der WM im Jahr 2022 rund 4000 Arbeiter auf den Baustellen zum Fussballfest sterben werden.

Konservative Schätzung

Die Schätzungen des ITUC beruhen auf den Zahlen der nepalesischen und Indischen Botschaften in Katar. Nepal und Indien stellen zusammen rund 50 Prozent der Gastarbeiter in Katar und veröffentlichen als einzige Statistiken zu den Todeszahlen. Zwischen 2011 und 2014 starben etwa 400 nepalesische und rund 700 indische Arbeiter in Katar. Im Jahr 2013 starben jeden Monat durchschnittlich 20 indische Arbeiter.

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Die ausländischen Arbeiter sind in Katar weitgehend rechtlos. Laut ITUC werden bei 90 Prozent der Arbeiter die Pässe von den Arbeitgebern eingezogen. Löhne werden oftmals zurückgehalten oder nur teilweise ausgezahlt. Arbeiter müssen bei 50 Grad im Schatten ohne Pause durcharbeiten um die Zeitvorgaben der Auftraggeber einzuhalten.

Mit seiner Kritik steht der ITUC nicht alleine da. Auch Amnesty International berichtete im vergangenen November von der systematischen Ausbeutung von Gastarbeitern in der Baubranche und Fällen von Zwangsarbeit. Amnesty legte darüber einen 153-seitigen Bericht vor.

Katar zweifelt Zahlen an

Ali Bin Sumaikh al-Marri, von nationalen Menschenrechtskomitee zweifelt die Zahlen des ITUC. Angesichts der 500'000 Inder in Katar entsprächen die Zahlen der natürlichen Sterblichkeit. «Im Vergleich zur Zahl der verstorbenen Kataris liegt die Zahl der toten Inder im normalen Bereich».

Für den ITUC ist aber klar, dass dies nicht stimmt: «Die Grundursache für die Todesfälle sind die Arbeitsbedingungen, ob nun die direkte Todesursache als Arbeitsunfall, Herzinfarkt (durch Hitzestress) oder Krankheit aufgrund der elenden Lebensbedingungen angegeben wird.»

Aufgrund der starken Kritik, sowohl an der Vergabe der WM in Katar, als auch an den Arbeitsbedingungen auf den Baustellen gilt die WM in Katar inzwischen als gefärdet. Laut Medienberichten könnte die Veranstaltung beim FIFA-Kongress 2015 neu vergeben werden.