Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den früheren bosnische Serbenführer Radovan Karadzic zu 40 Jahren Haft verurteilt. Es befand ihn des Völkermordes im Zusammenhang mit dem Massaker von Srebrenica mit 8000 Toten für schuldig.

Auch in neun weiteren von insgesamt elf Anklagepunkten sprachen ihn die UNO-Richter am Donnerstag unter anderem wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig. Der 70-Jährige will gegen seine Verurteilung in Berufung gehen.

Sondersitzung der serbischen Regierung

Die Regierung Serbiens will am Freitag zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um über das Urteil zu beraten, berichtete der TV-Sender B92 in Belgrad. Zuvor werde Regierungschef Aleksandar Vucic mit dem Patriarchen der Serbisch-Orthodoxen Kirche, Irinej, zusammenkommen.

Die frühere Partei von Karadzic SDS kritisierte das Urteil in einer ersten Reaktion. Er hoffe, dass im Berufungsprozess «das Unrecht korrigiert wird», sagte ihr Vorsitzender Mladen Bosic in Sarajevo. «Karadzic wird in die Geschichte eingehen als einer der grössten Verbrecher», erwartete dagegen der sozialdemokratische Parteichef Nermin Niksic.

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Karadzic hatte Oberbefehl

Unter Karadzics Oberbefehl stürmten serbische Truppen 1995 die UNO-Schutzzone im bosnischen Srebrenica und ermordeten 8000 muslimische Jungen und Männer. Das Massaker von Srebrenica gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Insgesamt wurden 100'000 Menschen im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 getötet.

Der einstige Präsident der selbst ernannten bosnischen Serbenrepublik war nach dem Krieg jahrelang untergetaucht und 2008 in Belgrad verhaftet worden. 2009 wurde in Den Haag der Prozess gegen ihn eröffnet. Karadzic bezeichnete sich selbst als unschuldig.

(sda/ise)