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Oligarch
Abramowitsch verabschiedet sich aus London

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Roman Abramowitsch: Sein Vermögen wird von «Forbes» auf 11,5 Milliarden Dollar geschätzt.Quelle: Mikhail Svetlov/Getty Images

Russischen Oligarchen weht in London neu ein rauer Wind entgegen. Der bekannteste unter ihnen bricht seine Zelte ab.

Von Marc Bürgi
am 29.05.2018

London galt lange als Rückzugsort für Oligarchen: In der britischen Hauptstadt fanden die schwerreichen Russen ideale Bedingungen vor, um ihr Vermögen zu investieren. Hunderte zogen in den 2000er- und 2010er-Jahren in die Themsestadt, kauften sich teure Häuser, Sportclubs und traten als Mäzene und Kunstsammler in Erscheinung.

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Jetzt hat die Stimmung in Grossbritannien gedreht – die reichen Russen sind plötzlich nicht mehr hochwillkommen. Und der prominenteste unter ihnen hat reagiert: Roman Abramowitsch ist nach Israel gezogen, wie verschiedene Medien berichten. Der Öl-Magnat und Besitzer des Fussballclubs Chelsea besitzt demnach die israelische Staatsbürgerschaft. In Israel geniesst der Oligarch finanzielle Vorteile. Gemäss der «Times of Israel» wird er auf dem im Ausland verdienten Einkommen zehn Jahre keine Steuern bezahlen müssen.

Behörden liessen Abramowitsch warten

Vermutlich hat Abramowitsch Grossbritannien aber aus anderen Gründen verlassen: Laut britischen Medien ist seine Aufenthaltsbewilligung abgelaufen und noch nicht erneuert worden. Dass die Behörden sein Visum nicht prompt verlängerten, hängt möglicherweise mit den Spannungen zwischen Grossbritannien und Russland zusammen. Moskau wird von London beschuldigt, für die Vergiftung des russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal veranwortlich zu sein.

Seit einiger Zeit prüfen die britischen Behörden Visaapplikationen von reichen Russen kritisch. Zuvor war Grossbritannien lange äusserst freigiebig bei der Visavergabe: Rund 700 reiche Russen erhielten laut dem US-Magazin «New Yorker» zwischen 2008 und 2015 eine Aufenthaltsbewilligung, weil sie sich im Gegenzug verpflichteten, zwei Millionen Pfund im Land zu investieren.

Roman Abramowitsch: Er ist gut vernetzt mit Russlands Elite.

Schweizer Behörde verhinderte Umzug

Israel war als neuer Wohnsitz für Abramowitsch nicht die erste Wahl. Der Russe mit einem von «Forbes» auf 11,5 Milliarden Dollar geschätzten Vermögen wollte eigentlich nach Verbier ins Wallis ziehen. Das Staatssekretariat für Migration legte aber sein Veto gegen eine Aufenthaltsbewilligung ein.

Der Oligarch ist nicht nur in Europa und Druck. Abramowitsch drohen auch Probleme in den USA: Er gehört zu den rund zweihundert Russen, die von den US-Behörden sanktioniert werden könnten, falls die USA weitere Strafmassnahmen gegen Russland beschliessen würden. Eine entsprechende Liste, auf der Abramowitsch aufgeführt ist, haben die USA im Januar veröffentlicht.

Vekselberg traf Trump-Mann Cohen

Gegen sieben schwerreiche russische Unternehmer und 17 russische Behördenmitglieder haben die USA bereits Sanktionen verhängt – mit Viktor Vekselberg traf es auch einen in der Schweiz prominenten Investor.

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Viktor Vekselberg: Er steht auf der US-Sanktionsliste.
Quelle: Keytone

Wieso Vekselberg zum Kreis der Sanktionierten gehört, bleibt zwar unklar. Am Wochenende ist allerdings eine Information publik geworden, welche aufzeigt, warum sich die US-Behörden für ihn interessieren: Laut der «New Yorkes Times» traf Vekselberg einige Tage vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten dessen Ex-Anwalt Michael Cohen. Das Treffen zwischen Vekselberg und Cohen fand demnach im Trump-Tower in New York statt. Michael Cohen wird vom US-Sonderermittler Robert Mueller verdächtigt, eine Rolle bei der mutmasslichen Beeinflussung des US-Wahlkampfs durch Russland zu spielen.

Vekselberg will gegen Banken klagen

Die US-Sanktionen haben Vekselberg auch in der Schweiz in Schwierigkeiten gebracht: Der Milliardär hat wesentliche Anteile seiner Beteiligungen bei OC Oerlikon, Sulzer und Schmolz & Bickenbach verkaufen müssen, vor allem weil die Konzerne wegen ihm unter US-Druck geraten waren. Zudem haben Schweizer Banken Konten von Vekselberg blockiert. Dieses Verhalten will sich Vekselberg offenbar nicht bieten lassen. Wie verschiedene Schweizer Medien unter Berufung auf anonyme Quellen berichten, prüfen er und seine Managementgesellschaft Renova rechtliche Schritte gegen die UBS, die Credit Suisse, die Bank Julius Bär sowie weitere Institute.