Sie waren ein Trump-Fan und für ein paar Tage sogar sein Pressesprecher. Nun haben Sie sich zum Trump-Kritiker gewandelt. Weshalb?
Anthony Scaramucci: Ich änderte meine Meinung über Trump, weil seine Rhetorik immer rassistischer und kontroverser wurde. Ich musste mich dagegen aussprechen. Dann griff er mich auf Twitter an und sogar meine Frau – völlig unangemessen. Genug ist genug.

Dass Trump gern mal unter die Gürtel­linie schlägt, hätte man auch schon viel früher wissen können.
Das werfen mir meine demokratischen Freunde auch vor. Vielleicht hat nicht er sich verändert, sondern ich mich. Ich bin weiser geworden und aufgeschlossener. Zugegeben, ich habe mich in Präsident Trump geirrt. Mehr als 62 Millionen Menschen haben ihn gewählt. Viele von ihnen würden sich sicher gern distanzieren, möchten sich aber nicht der Häme aussetzen, mit der ich überhäuft worden bin.

Würden Sie 2020 eher vermeint­liche ­Sozialisten wie Elizabeth Warren oder Bernie Sanders wählen als Trump?
Ich werde mit Sicherheit nicht für Trump stimmen. Er ist unfähig und hat einen Mangel an manchen Kernkompetenzen gezeigt, die man als Präsident braucht. Ich hoffe aber, dass die beiden Politiker, die Sie erwähnten, nicht von den Demokraten nominiert werden. Es wäre weise, einen gemässigten Kandidaten aufzustellen wie Joe Biden, den früheren Vizepräsidenten, New Yorks ehemaligen Bürgermeister Michael Bloomberg oder Pete Buttigieg. Für mich ist es auch nicht selbstverständlich, dass Trump überhaupt der republika­nische Kandidat sein wird. In der Trump-Welt sind Tage wie Jahre im echten Leben.

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«Mit seiner Borderline- Persönlichkeit richtet Trump jede Menge Verwüstung in der Welt an.»

Wie kommen Sie drauf?
Denken Sie nur an den Sommer zurück, als Trump sich Wettermuster ausdachte und wir uns darüber empörten, dass er einen Hurrikan irrtürmlicherweise nach Alabama verlegte. Jetzt schiesst er Raketen auf ausländische Generäle. Mit seiner Bor­derline-Persönlichkeit richtet Trump jede Menge Verwüstung in der globalen Gemeinschaft an. Da kann schon mal was ins Rollen kommen. Und am Ende stehen Mike Pence und Nikki Haley auf dem republikanischen Ticket.

Sie lassen keine Gelegenheit aus, im Rampenlicht zu stehen. Sie scheuten sich auch nicht, bei der Trash-Sendung «Celebrity Big Brother» mitzumachen. Jetzt produzieren Sie einen Podcast mit Ihrer Frau, «Mooch and the Mrs.». Hilft das dem Geschäft?
Big Brother hat viel Spass gemacht. Ich nehme mich selbst nicht allzu ernst. Intellektuellen Snobs in Amerika sage ich, dass Reality TV auch ihr Leben beeinflusst hat. Und: Sie haben einen Reality-TV-Star zum Präsidenten.

Sie haben keine politische Ambitionen?
Alles ist möglich. Von meinem Selbstverständnis her bin ich Unternehmer, kein Politiker. Es alarmiert mich aber, dass dieses Niveau von Rechtslosigkeit und Kriminalität von einem Präsidenten ausgehen kann und dass es eine Gruppe von egois­tischen Republikanern gibt, die nichts dagegen tut. Wir brauchen mutigere Menschen in der Politik.

Das ist kein Nein.
Ich bin mit meiner Familie und meinem Business beschäftigt. Als Nächstes will ich die Salt-Hedgefonds-Konferenz, die wir gerade in Abu Dhabi ausgerichtet haben, nach Europa bringen. Dafür suche ich im Februar Austragungsorte in Italien und Frankreich. Sie sehen: Ich geniesse mein Leben.

«The Mooch»

Anthony Scaramucci, als «The Mooch» bekannt, führt den Hedgefonds Skybridge seit 15 Jahren. Zuvor machte der 56-Jährige Karriere an der Wall Street, unter anderem bei Goldman Sachs. Er war Fundraiser für Trump, kam dann ins Übergangsteam und wurde zum Kommunikationschef ins Weisse Haus berufen. Trump feuerte ihn aber nach zehn Tagen, nachdem er gegenüber Reportern ausfällig geworden war. Scaramuccis jähr­liche Salt-Konferenz in Las Vegas geniesst unter Hedgefondsmanagern Kultstatus, Ende 2019 brachte er sie nach Abu Dhabi.

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Kann es zu einem Kurseinbruch kommen, sodass Hedgefonds zur Risikoabsicherung wieder attraktiver werden?
Seit zwölf Jahren verzerrt die extrem ­aggressive, international koordinierte Notenbankpolitik die Märkte. Das hat es für Hedgefonds schwierig gemacht, Leerverkäufe zu halten oder sich auch nur zu abzusichern. Bei null Prozent Zinsen können Hedgefonds einfach nicht so viel Wert schöpfen, wie das von 1995 bis 2005 der Fall war. Aber ich bin optimistisch, dass die Zinsen sich normalisieren – wie wir es 2018 schon kurz erlebt haben. Da schafften wir ein Plus von 3,5 Prozent, während der Markt 4,5 Prozent verlor. Im Jahr 2019 griff das Fed wieder aggressiv ein und bereitete den Hedgefonds erneut Schwierigkeiten. Aber alles ist letztlich ein Zyklus und kommt wieder zur Normalität zurück.

Wie viel Geld verwalten Sie mit Ihrem Hedgefonds eigentlich?
Für uns war 2019 ein gutes Jahr, während manche Konkurrenten schliessen mussten oder unter dramatischen Abflüssen litten. Mit 9,8 Milliarden Dollar hatten wir am Ende mehr Mittel für die Verwaltung als zu Beginn. Wir sind ein Fonds mit vielen Kleinanlegern, das gibt Stabilität. Ich mag zwar immer direkt sein, wie ich bei meinem kurzen Ausflug in die Politik zeigte. Aber in meiner dreissigjährigen Karriere an der Wall Street bin ich stets ein sehr konservativer Anleger gewesen. Ich glaube daran, dass am Ende der Igel das Rennen gewinnt. Unser erklärtes Ziel ist, zwischen 5 und 8 Prozent Rendite zu erwirtschaften. Und das ­haben wir eingehalten – über zehn Jahre erwirtschafteten wir 7,6 Prozent pro Jahr. Das bedeutet, dass wir alle zehn Jahre unser Geld verdoppeln – wir haben also ein gesundes und starkes Geschäft.

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«Mein Gefühl ist, dass das FED sein Pulver bald verschossen hat.»

Nach Ihrem Ausflug ins Weisse Haus sind Sie jetzt wieder zurück in der Hedgefonds-­Welt. Wie läufts?
Iran ist ein Thema. Die internationale ­Gemeinschaft arbeitet hinter den Kulissen schwer an einer Beruhigung. Aber wegen Trump ist das nicht einfach, er verun­sichert die Märkte. Doch die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank Fed überschattet alle anderen Faktoren im Markt. Die Kurse steigen, weil die Notenbank interveniert und zudem noch Assets kauft.

Wann ist da das Ende der Fahnenstange erreicht?
Mein Gefühl ist, dass das Fed sein Pulver bald verschossen hat. Angesichts der ökonomischen Daten wird es schwer zu rechtfertigen, die Zinsen weiter zu senken.

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Sie glauben an eine Zinswende?
Ich meine, jetzt könnten die Zinsen wieder ein bisschen ansteigen. Das wird sich nicht dramatisch auf den Aktienmarkt auswirken, aber ein nächstes grossartiges Jahr verhindern. Wir erwarten obendrein bei den Firmen einen Gewinnrückgang mit sinkenden Quartalsgewinnen. Zudem löst die Präsidentschaftswahl in den USA eine Menge Volatilität aus.
 

«Als Republikaner schloss ich mich erst Trump an, nachdem mein Favorit Jeb Bush ausgeschieden war.»

Sie haben mit dem Opportunity-Zone-­Fonds ein neues Anlagevehikel kreiert, das von einer von Donald Trump geschaffenen Steuervergünstigung profitiert: Anleger müssen keine Kapitalertragssteuer auf ­Gewinne zahlen, wenn sie die in Projekte in krisengeplagten Innenstädten Amerikas anlegen.
Wir investieren gross in New Orleans. Da bauen wir zusammen mit Richard Branson ein Virgin-America-Boutique-Hotel, von wo aus seine Virgin-America-Kreuzfahrten in die Karibik starten. Allerdings haben wir mit derzeit 50 Millionen Dollar längst nicht so viel Geld eingesammelt wie erwartet.

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Halfen Sie Trump dabei, diese Idee des Steuergeschenks für Investments in heruntergekommene Stadtteile zu entwickeln?
Ehrlich gesagt: Das ist eine Idee aus der Obama-Regierung. Ich war im Transi­tions-Team, als Präsident Trump sich für die Idee begeisterte und sie in das Steuersenkungspaket steckte. Leider strahlt die Unbeliebtheit von Präsident Trump auf diese Fonds ab. Viele Demokraten halten sie für einen Steuerhafen für Reiche.

Trumps Ideen rund um Steuersenkungen für Reiche begeisterten Sie. Sie unterstützten ihn sogar noch, nachdem er Sie aus dem Weissen Haus geschmissen hatte. Was machte Sie zum Trump-Kritiker?
Es waren nie die Steuergeschenke, die mich für Trump begeisterten. Mir gefiel, dass er sich für Familien aus dem Arbeitermilieu einsetzen wollte. Ich komme selbst aus einer Arbeiterfamilie in Long Island. Als lebenslanger Republikaner schloss ich mich Trump erst an, nachdem mein Favorit Jeb Bush aus den Präsidentschaftswahlen ausgeschieden war.

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Also ging es nicht um Steuerersparnisse?
Aufgrund von Trumps Steuerreform zahle ich sogar noch mehr Steuern – und ich habe kein Problem damit.