Die Nato hat Kosovos Staatschef Hashim Thaci davor gewarnt, seine Pläne für eine eigene kosovarische Armee umzusetzen. Das Kosovo, das 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt hatte, solle sich vor «einseitigen Massnahmen» hüten, die «kontraproduktiv» seien, erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch.

Stoltenberg rief die kosovarischen Behörden auf, «den direkten Kontakt mit Belgrad beizubehalten». Er warnte, wenn Thaci nicht einlenke, sehe die Nato sich gezwungen, ihr Engagement im Kosovo zu überprüfen.

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Bislang gibt es nur eine Polizei

Nachdem sich das Kosovo einseitig von Serbien losgesagt hatte, hatte die Nato eine multinationale Truppe in dem Gebiet stationiert. Das Kosovo verfügt bislang nicht über eine Armee, sondern lediglich über eine Polizei und die 2500 Mann starke Sicherheitstruppe KSF.

Thaci hatte am Dienstag einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach die KSF zu einer Armee mit 5000 Soldaten und 2500 Reservisten ausgebaut werden soll. Auf diese Weise würde Thaci eine Verfassungsänderung umgehen und damit ein Veto der serbischen Minderheit im Kosovo. Die US-Botschaft in Pristina mahnte daher einen «repräsentativen politischen Prozess» an, «der die multiethnische Demokratie im Kosovo widerspiegelt».

Thaci will nicht einlenken

Thaci lenkte jedoch auch nach Stoltenbergs Kritik nicht ein. Er halte an dem Projekt einer «modernen, multiethnischen und professionellen Armee» fest, sagte er am Mittwoch bei einer Medienkonferenz. Regierungschef Isa Mustafa solle dem Vorhaben «grosse Priorität» einräumen.

Im Kosovo sind 120'000 der rund zwei Millionen Einwohner ethnische Serbien. Sie lehnen die Gründung einer kosovarischen Armee ebenso ab wie die serbische Regierung.

(sda/mbü)