Eben noch schien Öl als Energieressource der Vergangenheit anzugehören. Die Zukunft schien nachhaltigen Energieträgern zu gehören, denn das erfordert der Klimawandel. Doch seit dem Vorgehen von Donald Trump in Venezuela haben wir gelernt: Erdöl hat seine strategische Bedeutung nicht im Geringsten eingebüsst. Als US-Truppen den dortigen Diktator Nicolás Maduro entführten, ging es zwar oberflächlich um die Befreiung des Landes von einem Despoten und um dessen Verwicklung ins Drogengeschäft, wofür er in den USA vor Gericht gestellt wurde. Doch unmittelbar nach der Aktion hat Trump deutlich gemacht: Ihm geht es vor allem um die Ölvorräte von Venezuela.
Von einer Rückkehr zur Demokratie war keine Rede. Im Gegenteil: Über María Corina Machado, die Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin, sagte Trump, ihr fehle der nötige Rückhalt und Respekt in der Bevölkerung. Dabei hat ihre Bewegung 2024 die Wahlen gewonnen, die dann Maduro gestohlen hat. Stattdessen setzt Trump auf Maduros Vizepräsidentin und Ölministerin Delcy Rodríguez und damit weiterhin auf das alte Regime. Die nach der Verhaftung von Maduro zur Präsidentin vereidigte Rodríguez war eine enge Vertraute des Diktators; ihr war auch der für seine Foltermethoden berüchtigte Geheimdienst Sebin unterstellt.

