Der Swiss könnte wegen der Corona-Krise früher oder später das Geld ausgehen. Sie hat den Bundesrat deshalb vorsorglich um finanzielle Unterstützung gebeten. Eine allfällige Finanzspritze soll verhindern, dass die Lufthansa-Tochter in der Schweiz in ein paar Wochen unkontrolliert in den Konkurs schlittert.

Die Swiss betonte gegenüber HZ am Freitag, es gehe «um einen allfälligen Überbrückungskredit». Dieser würde «selbstverständlich zurückbezahlt werden». Man habe «derzeit ein gesundes finanzielles Polster, doch bei einer anhaltenden Krise könnte es dennoch zu einem temporären Liquiditätsengpass kommen».

In einem solchen Falle sei es «wichtig, dass schnell Liquidität zur Verfügung gestellt werde und zeitnah Zusagen für weitere Massnahmen wie staatliche Garantien oder Überbrückungskredite – die nach der Krise zurückbezahlt werden können – erfolgten».

Bereits vor zwei Wochen sagte Swiss-Chef Swiss-Chef Thomas Klühr im «Sonntagsblick»,s sofern die Swiss ihren Betrieb so stark reduzieren müsse, wie dies heute der Fall ist, «bräuchten wir finanzielle Unterstützung der Schweiz, um die Situation zu überbrücken».

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Arbeitsgruppe unter Maurer

Daraufhin setzte der Bundesrat vergangene Woche eine Arbeitsgruppe ein. Finanzminister Ueli Maurer führt sie an, zusammen mit seiner Finanzverwaltung. In der Taskforce sitzen auch Wirtschaftsminister Guy Parmelin (mit seinem Staatssekretariat für Wirtschaft) sowie Luftfahrtministerin Simonetta Sommaruga (über das Bundesamt für Zivilluftfahrt).

Und dann gibt es noch eine vierte Person: Nationalbank-Präsident Thomas Jordan.

Thomas Jordan, Präsident der Nationalbank und Ueli Maurer, Bundesrat

Pressekonferenz: Thomas Jordan, Präsident der Schweizer Nationalbank (Mitte links), und Ueli Maurer, Finanzminister (Mitte rechts), stehen im Zentrum einer Lösung für Überbrückungskredite zugunsten von Airlines.

Quelle: ZVG

Die Personalie lässt aufhorchen, denn am Ende könnte die Nationalbank (SNB) die Swiss möglicherweise allein retten. Dies ist eine unter mehreren Optionen, die der Bundesrat derzeit prüft. Dies erfuhr HZ aus guter Quelle.

Die Idee sieht wie folgt aus: Die Schweizer Einheit, die Swiss International Airlines AG, begibt an der Börse kotierte Unternehmensanleihen, zum Beispiel über eine halbe Milliarde Franken zum Zins von 5 Prozent mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Die SNB würde einen Grossteil dieser Anleihen kaufen. So würde die Swiss sofort Cash erhalten und ihre laufenden Verpflichtungen zahlen können.

Für SVP-Nationalrat Thomas Matter ist eine solche vorläufige Rettung im Sinne einer Liquiditätsüberbrückung denkbar. «Sie hätte den Vorteil, dass nicht der Bund die Airline mit Staatsgeldern retten würde».

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Wichtig sei, dass die SNB harte Bedingungen an den Kauf solcher Unternehmensanleihen knüpfe: Die Schweizer Airline müsste sich verpflichten, eine eigene Bilanz und Erfolgsrechnung für die Schweiz zu publizieren, aus der hervorgeht, wie viel Gewinne sie macht. Diese würden über die Coupon-Zahlungen an die Nationalbank fliessen.

Die Nationalbank antwortete am Freitagabend auf Anfrage, man wolle «wie üblich Gerüchte nicht kommentieren».

Unterstützung für Easyjet

Derweil hat die Airline Easyjet bei Wirtschaftsminister Parmelin vor einigen Tagen ein Gesuch für eine Liquiditätsspritze gestellt. Dies bestätigte die Fluggesellschaft gegenüber HZ: «Easyjet Switzerland steht im Kontakt mit dem SECO und erwartet, dass die Schweizer Behörde die Airline in dieser schwierigen Zeit durch Notfallmassnahmen unterstützen.»

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Weitere Zulieferer von Airlines, deren Geschäft jetzt still steht, sind offenbar diesem Beispiel gefolgt, so eine Quelle der Bundesverwaltung. Welche Firmen es sind, ist nicht bekannt.

Umstrittene Frage der Abspaltung von Lufthansa

Thomas Matter betont, die SVP lehne eine direkte Rettung der Lufthansa-Tochter und weiterer Airlines mit Staatsgeldern nach wie vor ab. Wenn, dann müsste die Eidgenossenschaft und ein allfälliges Konsortium von Schweizer Investoren sich an den zukünftigen Gewinnen dieser Gesellschaften beteiligen können.

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Ähnlich kritisch äussert sich auch eine SP-Exponentin und Wirtschaftspolitikerin, die sich nicht namentlich zitieren lassen will: «Eine Rettung der Swiss durch den Bund ist ausgeschlossen, solange sich der Bund nicht mit einer Aktienmehrheit an der Lufthansa-Tochter beteiligen kann.»

Edith Graf-Litscher Nationalrätin

Edith Graf-Litscher, Nationalrätin: Sie spricht sich für eine allfällige Swiss-Rettung aus.

Quelle: ZVG

Anders sieht es Parteikollegin Edith Graf-Litscher. Die SP-Nationalrätin sagte, die Swiss könne «nicht rentabel operieren, wenn sie nicht Teil eines grösseren Verbundes wie der der Lufthansa wäre». Die 9'000 Arbeitsplätze der Airline in der Schweiz und ihre vielen Direktverbindungen in die Welt rechtfertigten, dass die Eidgenossenschaft hier einen Überbrückungskredit gewährt.

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Keine Dividenden an Aktionäre

Klar sei für sie aber, dass eine Airline wie die Swiss dem deutschen Mutterkonzern keine Dividenden ausrichten dürfte, solange die Schweiz ihr unter die Arme greift. Dies gelte analog für weitere Airlines wie Easyjet oder für Airlinezulieferer. «Die Bedingungen müssten vergleichbar sein zu denen des 20-Milliarden-Pakets zur Stützung der Schweizer KMU.»

Spohr hält staatliche Hilfe für Lufthansa für legitim

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hält staatliche Hilfen für Deutschlands grösste Fluggesellschaft für "legitim". Denn die Corona-Krise sorge für einen Ausnahmefall, während Lufthansa eigentlich profitabel und konkurrenzfähig sei, sagte Spohr dem Magazin "Spiegel".

"Kurzfristig geht es um Liquidität, mittel- und langfristig um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Airlinebranche." Er spüre eine grosse Entschlossenheit in Berlin und "in unseren Heimatmärkten, dass Lufthansa im globalen Wettbewerb bestehen soll und muss". Über die Höhe möglicher Hilfen äusserte sich Spohr nicht. Der Tourismuskonzern TUI erhält als eines der ersten Grossunternehmen einen KfW-Kredit über 1,8 Milliarden Euro.  Zuvor hatte ein Lufthansa-Sprecher gesagt, bisher habe man keinen Antrag auf öffentliche Finanzhilfen gestellt.

Derzeit sei man aber mit verschiedenen Banken und staatlichen Stellen im Gespräch, welche Art von Hilfen möglich sei. Die Fluggesellschaft hat wegen der Coronakrise ihren Flugbetrieb laut Spohr auf weniger als fünf Prozent zurückgefahren.

(Reuters)

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