Die höchstgelegene Bergstadt Europas gleicht diese Woche einer Festung. So streng bewacht wie etwa der US-Stützpunkt Fort Knox. Diese Woche tummelt sich am Davoser Weltwirtschaftsforum (WEF) die globale Machtelite aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Es wird als grösstes WEF aller Zeiten in die Geschichte eingehen – auch wegen der Teilnahme von US-Präsident Donald Trump.
Wer in Davos erwartet wird
Seit 1971 lädt das WEF zum Jahrestreffen nach Davos. Erwartet werden diese Woche über 3000 Teilnehmende aus 130 Ländern – so viele wie noch nie!
- Wolodimir Selenski (47), Präsident von der Ukraine
- Donald Trump (79), US-Präsident
- Isaac Herzog (65), Staatspräsident von Israel
- Friedrich Merz (70), deutscher Bundeskanzler
- Emmanuel Macron (48), Präsident von Frankreich
- Ursula von der Leyen (67), Präsidentin der Europäischen Kommission
Auch rund 850 Wirtschaftsführende aus aller Welt nehmen teil. Unter den Gästen sind:
- Jensen Huang (62), CEO von Nvidia,
- Satya Nadella (58), Chef von Microsoft
- Jamie Dimon (69), CEO von JP Morgan Chase & Co.
Aber auch Forscher, NGO-Vertreter und über 400 Medienschaffende werden erwartet. Ein Novum: WEF-Gründer Klaus Schwab (87) bleibt dem Mega-Anlass fern.
Alle Augen sind auf Trump gerichtet
Stargast ist Donald Trump (79). Er landet am Mittwoch, 21. Januar, auf Schweizer Boden und wird voraussichtlich zwei Tage bleiben. Mit ihm reist eine hochrangige Delegation, darunter Aussenminister Marco Rubio (54) und Finanzminister Scott Bessent (63). Die Zahl der Amerikaner am WEF ist so hoch wie nie zuvor.
Strengste Sicherheitsvorkehrungen: Trump landet mit der Air Force One, einer fliegenden Kommandozentrale mit Abwehrsystemen, abhörsicheren Leitungen und eigener Suite. Bei gutem Wetter fliegt er per Helikopter nach Davos. In der Regel sind mehrere Maschinen in der Luft, damit man nicht weiss, in welcher sich der Präsident befindet. Die Helis werden von Sicherheitskräften begleitet.
Bei schlechtem Wetter kommt Trumps gepanzerte Limousine «The Beast» zum Einsatz – mit kugelsicheren Fenstern, eigenem Sauerstoff- und Blutvorrat. Entlang der Route nach Davos analysiert der Secret Service jedes Gebäude in 3D. Auch eine Aktentasche mit den Autorisierungscodes für einen Atomwaffenschlag ist Teil des Trosses.
Wie Davos einer Festung gleicht
US-Präsident Trump dürfte im Davoser Hotel Alpengold auf einer geheimen Etage mit Präsidentensuite übernachten. Soldaten, Bodyguards, Scharfschützen auf den Dächern. Sicherheitszonen mit Zutrittsbeschränkungen am Boden werden von Armee und Polizei überwacht. In einem Radius von 46 Kilometern ist der Luftraum gesperrt.
Darf man sich in Davos überhaupt noch frei bewegen? Grundsätzlich ja. Die Anreise per Auto oder ÖV ist möglich. Es gibt Checkpoints am Ortsein- und ausgang. Es kann jedoch vermehrt zu Gepäckkontrollen kommen. Gefährliche Gegenstände sind verboten. Die Bündner Behörden versprechen ein «zügiges Vorgehen ohne Schikanen», warnen aber vor möglichen Wartezeiten.
Anwohnende erhalten Badges und Vignetten. Hotels, Geschäfte und Restaurants ausserhalb der Sicherheitszonen bleiben frei zugänglich.
Dialog statt Fronten am WEF
Das Leitthema des Treffens lautet «A Spirit of Dialogue», also im Geiste des Dialogs.
Im Zentrum stehen 2026 die Krisen in der Ukraine, im Iran, in Gaza und in Venezuela. Aus Schweizer Sicht wichtig ist Trumps Zollpolitik: Erst kürzlich senkten die USA zwar ihre Einfuhrzölle auf Schweizer Waren von 39 auf 15 Prozent. Ein verbindliches Abkommen soll aber erst im März folgen. Ein Treffen zwischen Trump und Bundespräsident Parmelin (66) ist im Gespräch, aber unbestätigt. Vor einer Woche teilte Bundesrat Martin Pfister dann überraschend gegen Trump aus. Linke Schweizer Politiker fordern Trumps Ausladung. Das WEF will davon nichts wissen.
Wie öffentlich WEF-Deals sein können
Das WEF hat aus der Vergangenheit gelernt: Neben den geschlossenen gibt es mit dem Open Forum auch öffentlich zugängliche Veranstaltungen. Zudem werden ausgewählte Panels live übertragen oder im Nachhinein veröffentlicht. Dennoch bleibt ein Grossteil der Gespräche informell und nicht dokumentiert.
Gerade diese informellen Begegnungen gelten als der Kern des WEF. In und um das Kongresszentrum spielt sich ein zweites, kaum sichtbares Forum ab: bilaterale Treffen, Hintergrundgespräche und Empfänge. Länder präsentieren sich in eigenen «Houses», Unternehmen werben diskret um politische Unterstützung, neue Allianzen entstehen jenseits offizieller Traktandenlisten.
Wie Sie das WEF mitverfolgen können
Für Planespotter ist das WEF ein Traum. Es werden rund 500 Privatjets erwartet. Der Flughafen Zürich rechnet mit rund 1000 zusätzlichen Flügen. Scharfschützen und Bombenentschärfer auf dem Gelände überwachen dann die Ankunft: Höhepunkt dürfte die Landung von Trump in seiner Air Force One am Mittwoch sein.
Für das Foto- und Filmspektakel eignet sich besonders die Zuschauerterrasse B am Flughafen Zürich. Beliebte Spotter-Standorte befinden sich zudem auf der Westseite des Flughafens sowie in Oberglatt ZH.
Warum das WEF in der Kritik steht
Das WEF polarisiert seit Jahren. Auch dieses Jahr wurden im Vorfeld mehrere Aktionen durchgeführt: In Zürich organisierte eine linke Allianz eine bewilligte Demonstration. In Bern gabs eine unbewilligte Demo. Nach Davos fand eine Protestwanderung statt. Die Kritik richtet sich unter anderem gegen Donald Trump und das «Treffen der Autokraten».
Hinter verschlossenen Türen verhandeln am WEF Konzernchefs, Politiker und Meinungsmacher. Die Öffentlichkeit bleibt aussen vor. Kritiker werfen dem Forum zudem Greenwashing vor: Es halte Nachhaltigkeit hoch, lade aber Gäste ein, die mit mutmasslich CO2-intensiven Geschäftsmodellen Milliarden verdienen.
Sicherheitskosten – ein Daueraufreger
Für das Treffen 2026 sind rund 9 Millionen Franken budgetiert – bezahlt vom Bund, den Kantonen und dem WEF. Die Armee stellt bis zu 5000 Soldaten im Assistenzdienst; der Einsatz kostet nicht mehr als ein Wiederholungskurs. Das Jahresbudget für die Armeeeinsätze anlässlich der WEF-Jahrestreffen 2025 bis 2027 beträgt 32 Millionen Franken. 2024 und 2025 lagen die tatsächlichen Ausgaben darunter. Wird das Budget überschritten – etwa für Trumps Schutz – kann der Bund bis zu 900'000 Franken zusätzlich sprechen.
Es gilt aktuell eine erhöhte Terrorgefahr für die Schweiz wegen des Ukraine-Krieges und wegen des Nahostkonflikts. Dazu zählen auch Cyberangriffe und Spionageaktionen. Der WEF-Sicherheitschef Walter Schlegel (67) erklärt: «Wir leben in stürmischen Zeiten. In Zeiten mit grossen Herausforderungen.»
Dieser Artikel erschien zuerst bei Blick.
