US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania haben sich mit dem Coronavirus angesteckt. Das teilte Trump in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) auf Twitter mit.

Die Verunsicherung an den Börsen ist nach der Erkrankung eines der wichtigsten Politikers der Welt gross. Die Auswirkungen auf den laufenden Wahlkampf sind zur Zeit noch kaum abzuschätzen.

Verlauf entscheidend für den Wahlkampf

«Wenn Trumps Symptome mild sind und er sich schnell erholt, könnte seine Unterstützung zunehmen», sagte Marktstratege Yako Sera von der Sumitomo Mitsui Trust Bank. «Allerdings schadet dies Trumps Fähigkeit, einen Wahlkampf zu führen, und die Zeit bis zur Wahl wird knapp.» Solange man unsicher sei, wer die Wahl gewinnen werde, sei es für die Märkte schwierig, sich wirklich zu positionieren.

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Auch für Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, ist es noch zu früh sich festzulegen: «Welche Konsequenzen die Erkrankung für den Wahlausgang haben wird, hängt entscheidend von deren Verlauf ab. Sollte Donald Trump einen schwierigen Krankheitsverlauf erleiden, ist die Glaubwürdigkeit des Präsidenten endgültig beschädigt.»

Eine Interpretation von «Guardian»-Autorin Carole Cadwalladr aus England:

Naoya Oshikubo, Ökonom beim Sumitomo Mitsui Trust befürchtet eine noch härtere Linie gegen China: «Was mich beunruhigt, ist, dass er noch aggressiver gegenüber China wird, nachdem er sich den Virus selbst eingefangen hat. Denn ich hatte den Eindruck, dass der britische Premierminister Boris Johnson nach seinem Covid-19-Virus noch anti-chinesischer geworden ist.»

Weltweiter Kursrutsch

Die US-Futures weiteten nach dem positiven Corona-Testergebnis ihre Verluste aus. Die Futures auf alle drei wichtigen Indizes lagen nach der Meldung rund zwei Prozent im Minus. Der Dollar legte dagegen zu, ein Euro fiel im Gegenzug unter die Marke von 1,17 Dollar.

In Tokio sackte der Nikkei ab und schloss 0,7 Prozent schwächer, nachdem er im Handelsverlauf noch ein Plus von 0,8 Prozent geschafft hatte. Auch in Europa fielen die Börsen zu Handelsbeginn. Der SMI stand um 9:35 etwa 0,6 Prozent im Minus, der deutsche Leitindex Dax gar um 1 Prozent.

Leibarzt: Trump kann Amtsgeschäfte weiterführen

Der Leibarzt des US-Präsidenten erwartet indes, dass Trump trotz seiner Corona-Infektion die Amtsgeschäfte «ohne Unterbrechung» weiterführen kann. Sean Conley machte deutlich, dass dem Präsidenten und der First Lady die Unterstützung einiger der «grossartigsten» medizinischen Experten und Institutionen des Landes zur Verfügung stünden.

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Trump hatte sich nach einem positiven Corona-Test einer seiner Mitarbeiterinnen in Quarantäne begeben. Dort wolle er auf das Ergebnis seines Corona-Tests warten, schrieb Trump am Donnerstagabend auf Twitter. Gleiches gelte für seine Ehefrau Melania. Zuvor hatte Trump in einem Interview gesagt, dass seine Beraterin Hope Hicks positiv auf das Coronavirus getestet worden sei.

Medienberichten zufolge war Hicks am Dienstag mit Trump in der Präsidentenmaschine Air Force One zum TV-Duell nach Cleveland gereist. «Schrecklich! Die First Lady und ich warten auf unsere Testergebnisse. In der Zwischenzeit werden wir unseren Quarantäne-Prozess beginnen», schrieb Trump auf dem Kurznachrichtendienst.

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(reuters/sda/gku)