Verteidigungsministerin Viola Amherd steht kurz davor, den Typenentscheid bekanntzugeben. Im Rennen sind die Kampfjets F/A-18 Super Hornet von Boeing, die F-35 von Lockheed Martin, der Eurofighter von Airbus und die Rafale von Dassault. Dass der Entscheid auf die F-35 gefallen sei, ist nach dem derzeitigen Stand ein Gerücht.

Aber die Debatte, warum dieser Entscheid falsch wäre, ist bereits entbrannt. Eine Debatte, die jedenfalls stattfinden wird, egal auf welchen Kampfjet die Wahl fällt. Kampfjetgegner haben bereits ihr Veto und eine Volksinitiative angekündigt. Offiziere und Lobbyisten leaken Arbeitspapiere, um den Beschaffungsvorgang zu sabotieren, weil ihr Lieblingsflieger verlieren könnte.

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Pragmatischer Entscheid

Aber eine Kampfjetbeschaffung in Milliardenhöhe mit Steuergeld ist kein Wunschkonzert. Die Beschaffungsbehörde Armsasuisse hat die Aufgabe, die Angebote zu evaluieren. Es gibt einen Kriterienkatalog und ein Punktwertverfahren. Das Gesamtpaket aus Preis und Leistung soll nach Punkten gewinnen. Armasuisse folgt vordefinierten, objektiven Kriterien für einen pragmatischen Entscheid. Nur die Entscheidung, die Amherd und ihr Kollegium treffen müssen, ist politisch. Denn nach objektiven Kriterien sind alle Flieger top.

Zur Erinnerung ein Tour d’Horizon der Kampfjettypen: Die Super Hornet F/A-18 E/F hatte ihren Erstflug 1995. Sie hat noch etwa 40 Prozent der Komponenten mit jener F/A-18 C/D gemeinsam, welche die Schweiz aktuell im Einsatz hat. Die Nähe zum Vorgängermodell wird häufig als Vorteil für den Hersteller Boeing genannt. Vieles hängt allerdings davon ab, wie lange die USA selbst den Flieger noch im Sortiment haben werden. Die Umrüstung auf neuerer Maschinen ist im vollen Gange. Für die kommenden zwei Jahrzehnte dürfte das im Fall der Schweiz allerdings kein Problem darstellen. Zumal die USA den Flugzeugtyp nicht vollends aufgeben - im Gegenteil, mit einer kampfwertgesteigerten Version Block III ist die fortgesetzte Produktion der Boeing-Kampfjets gewährleistet.

Die F-35A hatte ihren Erstflug 2006 und ist ein Flugzeug der sogenannten 5. Generation, also supermodern. Ziel der US-Firma ist die Produktion und Auslieferung von weltweit 3500 Stück, was die Stückkosten über die Zeit senken soll. In Europa haben sich Grossbritannien, Norwegen, Dänemark, die Niederlande, Italien und die Türkei für die F-35 entschieden. Die Produktion für die kommenden 30 Jahre ist mit derart grossen Stückzahlen sichergestellt. Nur verkauft werden müssen sie auch.

Der erste Eurofighter (Airbus) hatte seinen Erstflug 1994. Eurofighter werden in Europa von Deutschland, Spanien, Grossbritannien, Italien, Österreich und im Mittleren Osten verwendet. Der Eurofighter wird laufend weiterentwickelt. Bis dato wurden mehrere hundert Maschinen produziert. Die Produktion ist momentan bis Mitte des kommenden Jahrzehnts sichergestellt.

Der Erstflug des seriennahen Prototyps der heutigen Rafale war 1991. Seither wurden 160 Maschinen hergestellt. Die Produktion läuft dank neuer Aufträge für Frankreich, Ägypten, Indien, Katar und Oman weiter. In der Schweiz war die Rafale Sieger der letzten Evaluation im operationellen Bereich. Die Serienproduktion sollte bis Ende des kommenden Jahrzehnts sichergestellt sein.

Mehr als ausreichend

Klar ist, alle Angebote erfüllen die Vorgaben einer einsatzbereiten Luftpatrouille, die Bestückung mit modernsten Waffen, Kompensationsgeschäfte direkt und indirekt im vorgeschriebenen Ausmass von insgesamt mindestens 60 Prozent der Beschaffungssumme, davon 20 Prozent direkt – und verteilt über Regionen und Kantone. Sowie die Preisvorgaben von maximal rund sechs Milliarden Franken, eine gesicherte Ersatzteilbeschaffung und Softwareupdates.

Welche Rolle spielt es also, ob sich die Schweiz für einen Typ entscheidet und gegen einen anderen? Für die Bedürfnisse der Schweiz, das eigene Territorium, Grossereignisse und internationale Organisation zu schützen, sind alle vier Kampfjets mehr als ausreichend.

Die Mär vom Kill-Switch

Die Grundsatzfrage ist, mit welchen Partnern hat man das bessere Einvernehmen auf lange Sicht? Sind es die USA oder Europa? Denn in den US-Jets fliegt immer ein Stückchen Pentagon mit. Wobei der sogenannte Kill Switch – das spontane Abschalten einer Schweizer F-35 durch die USA – eine Mär ist, die sich hartnäckig hält. Ebenso beanstandet wird, dass US-Hersteller ihre Quellcodes für die Fliegersoftware nicht offenlegen würden.

Quellcodes sind ein wesentlicher Teil des Knowhows kommerzieller Technologiehersteller. Auch die Pharma-Industrie geniesst Patentschutz für viele Jahre, Microsoft hütet den Quellcode für das Betriebssystem Windows wie einen Heiligen Gral. Wenn Airbus für den Eurofighter Einblick in den Quellcode gewährt, dann vor allem deshalb, weil es sich um eine Gemeinschaftsleistung der Industrien mehrere Länder in Europa handelt, welche die Fluggeräte für den Gemeinschaftseinsatz vorsehen.

Denn europäische Anbieter bereiten sich auf das Future Combat Air System FCAS vor. Das ist ist ein deutsch-französisch-spanisches Programm zur Entwicklung eines Systems aus einem bemannten Mehrzweckkampfflugzeug der 6. Generation, unbemannten Begleitflugzeugen sowie neuen Waffen und Kommunikationssystemen. Bei der deutschen Luftwaffe soll es ab etwa 2040 den Eurofighter ersetzen, bei den französischen Luftstreitkräften die Rafale. Wobei Rafale in das FCAS integriert werden soll. Die beteiligten Unternehmen sind Dassault, Airbus und Indra Sistemas.

Europa oder USA?

Die Schweiz braucht die Kampfflieger für den Schutz des eigenen Luftraums aber jetzt. Beim Typenentscheid wird es also darum gehen, wie strategisch vorteilhaft die Einbindung in ein bestehendes Verteidigungssystem sein wird: in jenes der USA oder in jenes von Europa. Wobei sowohl Europa als auch die USA Bündnispartner sind, in der NATO zusammenarbeiten. Und viele europäische Länder bereits US-Flieger im Portfolio haben.

Bleibt die Kostenfrage. Ein Thema, das regelmässig überstrapaziert wird. Die Amortisation von Kampfjets über mehrere Jahrzehnte sind Prognosen und Zukunftsrechnungen, welche die Lobbyisten der Hersteller aus ihren Excel-Tabellen referieren. Wenn ein Hersteller so und so viele Kampfjets verkauft, dann werden die Kosten nach so und so viel Jahren so oder anders aussehen. Das sind Hoffnungen.

Bei vier sehr ähnlichen Angeboten hinsichtlich Stückzahl, Einsatzfähigkeit, Preis und Zukunftssicherheit spielt es daher kaum eine Rolle, für welchen Kampfflieger sich die Schweiz entscheiden wird.