Die im Irak und Syrien aktive Islamistengruppe Isis hat sich in ein sogenanntes Kalifat umbenannt und fordert damit die Führung der Al-Kaida heraus. Die bislang als Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isis) bekannte Organisation heisse ab sofort nur noch Islamischer Staat, hiess es in einer Erklärung, die am Sonntag auf Webseiten von Dschihadisten veröffentlicht wurde. Der bisherige Isis-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi sei nun der Imam und Kalif aller Muslime. Die Gruppe forderte radikale Islamisten in der ganzen Welt auf, die Treue zu schwören.

Isis kämpft im Irak und Syrien für die Errichtung eines islamischen Staates mit strengen religiösen Regeln. Mit der Erklärung machen die Extremisten nun deutlich, dass sie höhere Ziele anstreben. Der Islamismus-Experte Charles Lister sagte, die Ausrufung des Kalifates sei wahrscheinlich das wichtigste Ereignis im internationalen Dschihadismus seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Die Erklärung habe in der ganzen Welt Auswirkungen, weil sich Al-Kaida-Verbündete und unabhängige Gruppen nun für oder gegen den Islamischen Staat entscheiden müssten. Isis war eigentlich ein Ableger der Al-Kaida. Die noch radikalere Gruppe hatte sich aber bereits mit der Führung des Extremistennetzes überworfen.

Vergeblicher Kampf gegen die Rebellen

Die sunnitischen Kämpfer wollen die Regierungen im Irak und Syrien stürzen und beherrschen in beiden Staaten weite Gebiete. Die von Schiiten geführte Regierung im Irak kämpft bislang vergeblich gegen die Rebellen, die etwa die Millionenstadt Mossul eingenommen haben und mit der Erstürmung Bagdads drohen. Am Wochenende setzte die Armee in Tikrit - etwa 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt - Panzer und Kampfhubschrauber ein.

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Die USA, die bis 2011 mit Soldaten im Irak vertreten waren, halten sich bislang zurück. Präsident Barack Obama schickt bis zu 300 Militärberater in das Land. Zugleich hat er Luftangriffe auf die Islamisten nicht ausgeschlossen.

(sda/me)